Mediatorenausbildung an der Schule

Die Sonnenlugerschule in Mengen macht im Hinblick auf die Mediatorenausbildung auf sich aufmerksam. Wie der Lokalpresse, der Schwäbischen Zeitung in Mengen, entnommen werden kann, wird die Mediation dort schon seit dem Schuljahr 2002/2003 zur Konfliktlösung eingesetzt.

Neben der Tatsache, dass die Schüler als Streitschlichter tätig werden, hat das Projekt noch eine weiteren Effekt für sich, der in der öffentlichen Debatte wenig Beachtung findet. Alternative Konfliktlösungsmodelle, und dazu gehört auch die schulische Mediation bedürfen für ihrer Wirksamkeit einem bestimmten sozio-kulturellem Umfeld. Angefangen von der Erkenntnis, für sich grundsätzlich selbst entscheiden zu können und auch im Konflikt auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen zu können bis hin zur Akzeptanz von vereinbarten Spielregeln in einem Konfliktlösungsprozess lernen hier die Schülerinnen und Schüler selbstbewusst Konflikten begegnen zu können. Dies geht über die Ausbildung der Schülermediatoren weit hinaus. Die Akzeptanz dieser Instanz als Anlaufstelle bei Konflikten schafft für alle Schülerinnen und Schüler ein Klima der Eigenverantwortung und Selbstachtung. Dies steht in einem absoluten Gegensatz zu der ansonsten geübten Praxis, zunächst die eigenen Rechte für sich geltend zu machen.

Es ist gerade ein Manko der Mediation, dass die Akzeptanz wegen der Unterschiede in der Rechtskultur nicht durchgreifend ist. Das kodifizierte Recht der mitteleuropäischen Rechtstradition lässt den Rekurs auf das geschriebene Recht zur Positionierung eher zu als die im anglo-amerikanischen Recht verwurzelte Tradition im case-law, wo notgedrungen die Betrachtung der eigenen Situation eher vordringlich zu sein scheint.

Eine Bestätigung dieser These ergibt sich für mich auch aus der Tatsache, dass gerade in betriebswirtschaftlichen Bereichen, in denen eher der amerikanischen Wirtschaftskultur nachgehangen wird, auch diese rechtskulturellen Unterschiede nicht so sehr wahrgenommen werden und damit die Mediation eine höhere Akzeptanz erfährt als wie in anderen Bereichen.

Die Ausbildung in Mengen ist jetzt bereits zum vierten Male durchgeführt worden.  Ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön an die unermüdlichen Streiter für die Mediation an der Sonnenlugerschule und ihrem Lehrer  Helmut Fischer.

Die Sonnenlugerschule ist im Übrigen eine Hauptschule mit Werkrealschule. Dies zeigt auch, dass bei entsprechenden Initiativen auch sehr gute Impulse von einer Schulart ausgehen können, die ansonsten doch in der Öffentlichkeit eher als problematisch eingestuft wird.

Veröffentlicht von Roland Hoheisel-Gruler

Volljurist// Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)//Hochschullehrer

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