Anlasslose Massenüberwachung und der Satz von Bayes

Man liest viel in diesen Zeiten von Gefahren, die allgegenwärtig sind und das Zusammenleben bedrohen. Terrorismus und Kriminalität sind als Feinde der freiheitlichen Gesellschaft ausgemacht.

Wie man diesen Gefahren begegnen kann und wie sich Sicherheit und Freiheit unter einen Hut bringen lassen, darüber lässt sich durchaus diskutieren.

Es hängt nun aber davon ab, ob und wie sehr sich die Rechtspolitik der öffentlichen Meinung hingibt, gerade auch in Zeiten, in denen keine sichere Regierungsmehrheit in Berlin in Sicht ist. Die Erfahrung aus der jüngsten Vergangenheit zeigt, wie auch der emeritierte Strafrechtslehrer Artur Kreuzer in einem Beitrag in der ZEIT geschrieben hat, dass die Verschärfung des Strafrechts zunehmend als Alibi für Politik herhalten muss.

In diesen Zusammenhang passt auch die durch Terrorgefahren immer neu angeheizte Debatte über anlasslose Datenspeicherung, Vorratsdatenspeicherung, Telekommunikationsüberwachung, Staatstrojaner und und und….

Die Rechnung ist einfach: Gute Überwachung kann Anschläge verhindern. Aber kann sie das wirklich?

Nicht aus der Kriminologie sondern aus der Mathematik stammt nachstehendes Gedankenspiel:

http://scienceblogs.de/frischer-wind/2017/05/30/anlasslose-massenueberwachung-und-der-satz-von-bayes/

Nicht ganz neu, aber durchaus wieder aktuell. Die Sache ist einfach erzählt: Bei einer theoretischen Grundannahme (Anzahl der Einwohner, Anzahl der potentiellen Straftäter, Anzahl der E-Mails pro Nase, Anzahl der inkrimierten E-Mails je potent8iellem Straftäter) schrumpft eine Trefferquote von 99,5 % bei einer Überwachungssoftware auf eine tatsächliche Trefferquote von knapp 0,7 %. Man kann es nachrechnen – es stimmt.

Die vermeintliche Sicherheit (99,5 %) wird erkauft mit einem Verzicht auf Freiheit. Tatsächlich bekommt man aber weniger Freiheit (anlasslose Überwachung) mit kaum relevantem Sicherheitsgewinn.

Wie gesagt, nur Mathematik und nur Gedankenspiel – aber durchaus nachdenkenswert wenn wir uns Gedanken über zielführende Methoden in der Gefahrenabwehr unterhalten.

 

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