Transformationsprozesse im Trennungskonflikt – Ansätze für die Mediation

Der Prozess einer Trennung oder Scheidung verläuft auf verschiedenen Ebenen. Dieser Prozess verlangt nach Transformationen, und zwar auf der jeweiligen Ebene, wie aber auch durch Verknüpfungen dieser Ebenen miteinander in einem mehrdimensionalen Gebilde.

Die Mediation als ein ganzheitliches Verfahren erlaubt es nun, diese Ebenen sowohl für sich als auch in ihren Beziehungen untereinander ins Blickfeld zu nehmen, die derzeitigen Zustände zu analysieren und die hierauf basierenden Bedürfnislagen zu artikulieren.

Demzufolge schichten sich diese Ebenen von der betroffenen Person, dem Individuum bis zur Sozialsphäre der Beteiligten.

Auf der individuellen Ebene geht es um die jeweilige Persönlichkeit, wie erlebt sie die Situation der Trennung oder Scheidung. Hierbei ist es wichtig, dass alle Beteiligten hier ihre Sicht ausbreiten und darlegen können und dass zumindest Verständnis für diese Sichtweise geschaffen wird.

Auf dieser Ebnene sollte auch die Wahrnehmung des Erlebens der anderen am Prozess Beteiligten thematisiert werden, insbesondere auch die Wahrnehmung des Erlebens der Kinder.

Darüber legt sich die Paarebene: Dies ist der Punkt, an dem die Paarbeziehung als solche tatsächlich beendet werden kann und dabei trotzdem die über die Beziehung hinausreichenden Bindungen auf dieser Ebene erhalten und stabilisert werden können. Hier muss es auch darum gehen, die Elternebene als Teilmenge der Paarebene zumindest aufrechtzuerhalten.

Über diese Ebene weist dann die Familienebene hinaus. Dabei geht es darum, die Mutter-Kind-Beziehung und Vater-Kind-Beziehung und in diesem Kontext auch die Mutter-Vater-Kind-Beziehung zu thematisieren.

Wenn diese vorangegangenen Ebenen thematisiert sind, bleibt noch die Soziale Ebene übrig. Die Familie hatte sich ja als solche in einem ihr eigenen sozialen Netz befunden, Freundschaften und Bekanntschaften sind geschlossen und gepflegt worden. Hier stellt sich nun die Frage, wie die Entwicklung innerhalb dieser Beziehungen nach draußen nach einer Trennung oder Scheidung weitergehen kann.

Die Mediation kann nun auf diesen unterschiedlichen Ebenen durch die Gesprächsleitung Themen ansprechen und zur Debatte stellen. Dabei ist gerade in dem strukturierten Setting einer Mediation ein Vorteil, dass sowohl eine Beschränkung auf eine jeweilige Ebene möglich ist wie auch die Interaktion zwischen den Ebenen thematisiert werden kann und dass hier auch nach vorne und zurückgesprungen werden kann, ohne dass dies dem Prozess insgesamt abträglich ist.

Hierbei wird entgegen einer rein rechtlichen Betrachtungsweise nach familienrechtlichen Maßstäben deutlich, dass die Vielschichtigkeiten der Betroffenheit sowie die Interaktionen und Auswirkungen auf den verschiedenen Ebenen positive wie negative feedback-Erscheinungen mit sich bringen können. Durch die Verdeutlichung und Visualisierung dieser Verknüpfungen auf den unterschiedlichen Ebenen und zwischen denselben kann dann insgesamt zielgerichtet und lösungsorientiert gearbeitet werden.

Gerade weil die betroffenen und beteiligten Individuen im Mittelpunkt dieses Ebenenmodelles stehen und deren persönliche Interaktion mit den anderen Ebenen thematisiert wird, verbieten sich schematische Lösungen und machen den Weg für eine auf die Bedürfnisse aller Beteiligten gerichteten Regelung der Trennungsfolgen frei.

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