„Nackebutz“ – Kinderbilder im Netz und Kinderpornographie

Die Diskussion um die Strafrechtsreform im Phänomenbereich der Kinderpornographie hat mir einen alten Beitrag aus dem Jahre 2014 wieder nach oben gespült. Damals hatte ich darauf hingewiesen, dass Kinderbilder im Netz das Einen sind, eindeutige kinderpornographische Darstellungen das andere. Im Zusammenhang mit der Edathy-Affäre waren damals schon Reformansätze im Sexualstrafrecht diskutiert worden – und der verlinkte Artikel von Liesching auf den Seiten der LTO liest sich auch nach den Jahren noch recht gut, auch wenn vieles in der Zwischenzeit schon durch den Gesetzgeber angegangen worden ist.

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Aufgrund der Tatsache, dass auf den Tauschbörsen auch Bilder von in anderem als primär sexualisiertem Kontext aufgenommenen Kinderbildern – Urlaubsbilder mit den süßen nackten Kleinen am Strand beispielsweise, Badewannenfotos usw. – getauscht werden, ist der Hinweis, dass Kinderbilder im Netz nichts, aber auch gar nichts verloren haben, nochmals deutlich angebracht.

Dazu gehören WhatsApp-Gruppen ebenso wie facebook-Seiten und andere soziale Medien. Die Verlockung, dem eigenen digitalen Narzissmus durch Veröffentlichung der Bilder der eigenen – oder auch fremder – Kinder nachzugeben, ist mitunter tatsächlich groß: transportieren diese Bilder doch nicht nur das Gefühl von glückseligen Momenten, sondern sie unterstreichen auch die eigene Fürsorglichkeit und adressieren so bei den Empfänger:innen tief verwurzelte Gefühle. Dabei ist vielen dieser Aspekt eines eigenen digitalen Narzissmus vermutlich nicht einmal bewusst.

Gleichwohl gilt: Bei all diesen Bildern ist gewiss, dass mit dem Hochladen die Hoheit darüber, wer wann wie und in welchem Kontext diese Bilder zu sehen bekommen wird, verloren ist – und dass die Gefahr als nicht gering einzuschätzen ist, dass auf diesem Wege das eigene Kind Opfer kinderpornographischer Straftaten werden könnte.

Veröffentlicht von Roland Hoheisel-Gruler

Volljurist// Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)//Hochschullehrer

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