Die Fußball-Europameisterschaft findet in den Stadien statt – die Begleitkriminalität dazu (auch) in der virtuellen Welt

Netzpalaver weist auf den Zusammenhang von sportlichen Großveranstaltungen und dem Anstieg krimineller Machenschaften hin:

Quelle: Fussball-EM und COVID-19 als unberechenbarer Spieler

Das ist nun zwar grundsätzlich keine neue Erkenntnis, man kann aber nicht oft genug davor warnen, denn am Ende ist es so, dass sowohl Täter:innen als auch die Opfer real existierende Menschen sind. Das Tatmittel Internet erlaubt es hier aber, dass beide sich niemals in der realen Welt über den Weg laufen müssten.

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Dieses Jahr ist die Gefahr, Opfer einer Attacke aus dem Netz zu werden, besonders groß. Die Idee der UEFA, dieses Großereignis nicht in einem Land, sondern quer über den Kontinent austragen zu lassen, führt nicht nur dazu, dass die Manschaften und Ihre Begleitungen große Strecken zurücklegen. Wir haben es hier auch mit einer Vielzahl von verschiedenen Rechtsordnungen in den jeweiligen Ausrichtungsländern zu tun – und höchst unterschiedlichen Vorstellungen, wie Polizei und Strafverfolgung im jeweiligen Land organisiert sind. Darüber hinaus findet diese EURO2020 (die heißt offiziell tatsächlich immer noch so, nur der Ausrichtungszeitraum ist um „1“ nach vorne gerückt…) nicht nur in Ländern der Europäischen Union statt, wo von einem einigermaßen ähnlichen Rechtsniveau ausgegangen werden könnte.

Neben den Mannschaften reisen also auch die Fans kreuz und quer durch den Kontinent, und nachdem pünktlich zum Anpfiff die sinkenden Inzidenzzahlen und steigenden Impfquoten weitreichende Reiseerleichterungen ermöglicht haben, ist die EURO2020 nach den Monaten der pandemischen Tristesse für viele Menschen eine willkommene Abwechslung.

Das führt nun zu zweierlei: Cyberattacken zuhause durch Phishing & Co.: E-Mails mit Schadcode im Gepäck tarnen sich mit Angeboten rund um den Fußball. Bei reisenden Fans sind die ungesicherten WLAN-Netze in den Zielländern ein Einfallstor für Hacking aller Art. Beides kommt zwar immer und überall vor, die Akkumulation sehr vieler Menschen an konzentrierten Orten erhöht aber auch die Attraktivität für kriminelle Machenschaften.

Vor Ort drohen dann Bankkarten und Kreditkarten weiteres Ungemach – schnell können hier aufgrund verschiedenster Ursachen sensible Daten leicht ergaunert werden, die dann zu einer bösen Überraschung führen können – Cyberkriminalität um die Ecke sozusagen, weil hier nicht Handy oder Computer angegriffen werden, aber Daten ergaunert, mit deren Hilfe dann über die virtuelle Infrastruktur und den Tiefen des digitalen Raumes Schaden zugefügt wird.

Meist wird darauf verwiesen, dass Vorsicht die Mutter der Porzellankiste sei – und Resilienz immer noch die beste Medizin gegen Cyberattacken.

Darüber hinaus zeigt die EURO2020 wie unter einem Brennglas, wie die virtuelle Welt in einem globalen Dorf aufeinander trifft und die Schaffung und Anwendung effektiver rechtlicher Mittel und Möglichkeiten – über die eigene Vorsicht und Verantwortung hinaus – dringender denn je geboten erscheint.


Zum Zusammenhang von Datenschutz und Cybercrime werde ich bei der ersten Tagung für Cyberkriminologie am 19. August 2021, die an der Hochschule der Polizei Brandenburg in Oranienburg stattfinden wird, vortragen – und ich freue mich schon jetzt auf den fachlichen Austausch dort mit den Kolleg:innen.

Hier gibt es weitere Informationen zur Veranstaltung.

Zur Vertiefung eignet sich auch der Sammelband zur Cyberkriminologie, zu dem ich einen Aufsatz beisteuern durfte. Dort habe ich mich explizit mit dem Thema: Das Internet ist kein (grund-)rechtsfreier Raum auseinandergesetzt.

Veröffentlicht von Roland Hoheisel-Gruler

Volljurist// Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)//Hochschullehrer

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