„Die Polizei – Dein Freund und Helfer“ ein Motto und seine Vergangenheit

Oft wird die Polizei mit dem Slogan „Die Polizei – Dein Freund und Helfer“ in Verbindung gebracht. Sei es zum Einen in der Wahrnehmung derjenigen Bürger:innen und Bürger, die ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass bei jedweder Notlage der Anruf unter der „110“ schnell Hilfe nicht nur versprochen, sondern tatsächlich auch geleistet werde. Oder auf der anderen Seite ein Teil der Selbstwahrnehmung der Polizist:innen, die sich auch als Kümmerer:innen für die Sorgen und Nöte der Menschen verstehen. Doch woher kommt dieses Motto?

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Quelle: Polizei-Slogan aus der Nazi-Zeit – taz.de

Etwas älter ist nun schon der hier als Quelle zitierte Artikel aus der taz: Nämlich vom 26.11.1988. Dieser befasst sich mit dem Missbrauch dieser Formel durch die Nazis, besonders durch Himmler. Himmler war auch ab 1936 und damit lange vor seiner Ernennung zum Reichsinnenminister Chef der deutschen Polizei im Reichsministerium des Inneren gewesen. Damit waren ab diesem Zeitpunkt Polizei und SS in dessen Person personell und institutionell verwoben. Schon davor hatte er die SS als brutales Machtinstrumentarium der Nazis aufgebaut.

Nun geht der Slogan nicht auf diese Figur der deutschen Geschichte zurück, die sich dem Kriegsverbrecherprozess durch Suizid entziehen konnte, sondern wird zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Internationalen Polizeiausstellung in Berlin 1926 genannt. Diese stand unter dem Motto:

„Die Polizei, dein Freund und Helfer – Bitte treten Sie näher!“ 

Als (Mit-)Urheber wird Albert Grzesinki genannt, sozialdemokratischer Polizeipräsident von Berlin, der noch während der Ausstellung zum Nachfolger von Carl Severing (der aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat) in das Amt des preussischen Innenministers berufen worden war.

Grzesinski verwendete das Motto dann auch in einem Vorwort, das er für ein Begleitbuch zur Internationalen Polizeiausstellung 1926 geschrieben hatte. Darin schrieb er, die Devise der Polizei müsse lauten, ein

„Freund, Helfer und Kamerad der Bevölkerung zu sein“.

Himmler eignete sich das Motto nicht nur an, sondern deutete es ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie um:

In einer Rede am 17.12.1934 äußerte sich Himmler – wie in der oben zitierten Quelle in der taz angegeben – folgendermaßen:

„Die Polizei im nationalsozialistischen Deutschland hat es sich zum Ziel gesetzt, vom deutschen Volk als sein bester Freund und Helfer, von Verbrechern und Staatsfeinden als schlimmster Gegner angesehen zu werden.“

Daraus wird erkennbar, dass nicht nur das Ansinnen von Grzesinski, Severing und deren Mitstreiter:innen beim Versuch, eine moderne und bürger:innenfreundliche Polizei aufzubauen, konterkariert wird. Die Begrifflichkeit des Freundes und Helfers wird gekapert: An die Stelle der Bevölkerung tritt nun das deutsche Volk. Gleichzeitig wird auch die Abgrenzung zum Feind vollzogen, indem klar gemacht wird, dass Verbrechen und Staatsfeinde in dieser Logik nicht zum deutschen Volke gehören könnten.

Dieses kurze Zitat zeigt in seiner Kürze die Barbarei der nationalsozialistischen Schreckens- und Gewaltherrschaft: Ab- und Ausgrenzung, scharfe Grenzziehung wer dazu gehört und wer nicht. Das ist der Beginn der Definition einer Volksgemeinschaft als homogener Masse. Wer sich auffällig verhielt, gehörte eben nicht mehr dazu. So einfach war das: Heute die Verbrecher und Staatsfeinde, morgen andere Menschen, deren Herkunft, Aussehen, sozialer Stand, Religion….. je nach Belieben nicht passte. Die Erklärung der entschiedensten „schlimmsten“ Gegnerschaft an Verbrecher und Staatsfeinde unterminierte nebenbei auch noch die Grundlagen des zivilen Miteinander und der Errungenschaften in den Regeln des Strafprozesses, nämlich der Unschuldsvermutung. Himmler machte mit dieser Logik die Polizei zum Exekutor des nationalsozialistischen Volksempfindens.

Auch dieser geschichtliche Hintergrund gehört meiner Meinung nach stärker ausgeleuchtet, wenn es darum geht, ob dieses Motto heute noch angemessen sein könnte. Dabei geht es nicht um die Konstruktion von Identitätslinien zurück vor 1945, vielmehr aber um die Rolle der Polizei im demokratischen Rechtsstaat und die sich stets wandelnden Anforderungen bei der Austarierung von Staatsgewalt und Zivilgesellschaft in einer vielfältigen und bunten Welt.

Veröffentlicht von Roland Hoheisel-Gruler

Volljurist// Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)//Hochschullehrer

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