Mediation bei Trennung und Scheidung – was ist das überhaupt und zu was ist das gut?

Dieses Mal fühlt der Netzfund zu Fragen der Mediation auf den Grund. Hier wird nämlich erörtert, was eine Mediation bei Trennung und Scheidung überhaupt sein soll:

Quelle: What is divorce mediation? An expert guide – Spear’s magazine

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Bei der Lektüre wird wieder einmal bewusst, dass es nicht ausreicht, mediative Verfahren anzupreisen oder sich mit Besonderheiten innerhalb Mediation und alternativer Konfliktlösungsmodelle zu befassen. Vielmehr muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass gerade in Trennungs- und Scheidungskonflikten Menschen vor einem stehen, die vor wichtigen und essentiellen Problemstellungen in ihrem Leben stehen. Es geht darum, hier einen Lebensabschnitt tatsächlich abzuschließen und das Leben neu zu sortieren. Bei der Gelegenheit werden auch bisherige Lebensentwürfe nicht einfach durch neue ersetzt, sondern es bedarf auch der Festigung des bestehenden Standpunktes und vo da aus einer Neuorientierung. Das ist schwierig und anstrengend – und wenn es sich um das Ende einer Paarbeziehung handelt, mitunter auch mit sehr tiefgehenden und tiefgreifenden Belastungen verbunden.

In einer vielleicht schwierigen aber essentiellen Lebenssituation formuliert sich die Frage, wie sich das Leben in Zukunft gestalten kann und wie sowohl die bisherigen Gemeinsamkeiten abgewickelt und ausgeglichen werden als auch wie mit den fortbestehenden gemeinsamen Verpflichtungen umgegangen werden kann, durchaus nicht einfach. Gegebenenfalls kommt noch die Verantwortung für gemeinsame Kinder mit dazu. Das Ganze findet in einem Kontext statt, der, wenn es gut geht, mit klarem Kopf und rational durchdacht werden kann. Das ist aber nicht garantiert.

Ist es daher nicht das Beste, man überlässt das Verfahren und das weitere Schicksal den Profis, denen also, die sich mit dem Familienrecht bestens auskennnen: Fachanwält:innen und den Familiengerichten? Die werden es wohl richten.

Das ist eine nachvollziehbare und verständliche Haltung – und unser Verfahrensrecht und das materielle Familienrecht sorgen ebenso wie das handwerkliche Können der Profis für in den meisten Fällen ausgeglichene und angemessene Ergebnisse. Aber – ist es immer das, was gewollt ist? Werden alle Aspekte hinreichend berücksichtigt? Findet sich eine Ehe letztlich in einer tabellarischen Aufstellung mit Strichen drunter, Verrechnungen und einem Ergebnis wieder?

Hier setzen die möglichen Antworten an, weshalb Mediation für Trennung und Scheidung besonders interessante Verfahrensalternativen bieten könnten.

Denn – um zur Ausgangsfrage zurückzukehren – was ist Scheidungsmediation eigentlich?

Im Kern geht es um ein selbstbestimmtes und selbstverantwortetes, klar strukturiertes Verfahren, bei dem eine unabhängige dritte Person, der Mediator, die Kommunikation zwischen den Partner:innen steuert, strukturiert und lenkt.

Dabei geht es nicht darum, irgendwelche Lösungen, die eine von beiden Parteien gut findet, solange von allen Seiten zu betrachten, bis sie angenommen oder verworfen wird. Vielmehr geht es darum, dass die Mediant:innen überhaupt erst eine gemeinsame Ebene wieder erarbeiten, auf der die anstehenden Probleme angegangen werden können. Dabei wird ein großer Wert darauf gelegt, dass jede Partei nicht nur ihre Sicht der Dinge vortragen kann, sondern dass dies die andere Partei versteht und zumindest in soweit anerkennt, dass dies einen wichtigen Punkt darstellt. Daneben geht es um die Bedürfnislagen, die sich aus den Positionen heraus schälen lassen. Die Erkenntnis der wechselseitigen Bedürfnisse und deren wechselseitige Anerkennung bereitet dann den Boden, auf dem auf das konkrete Paar bezogen eine entsprechende und passgenaue Lösung herausgearbeitet werden kann und muss.

Das Geschick des Mediators besteht dann darin, diesen Prozess sanft zu lenken, die Einhaltung der vereinbarten Regeln zu überwachen und – das ist der große Unterschied zu einem Schiedsverfahren – der in der jeweiligen Situation unterlegenen Partei soweit beizustehen, dass in jeder Phase des Verfahrens die Augenhöhe gewahrt bleibt.

Mediation im Trennungs- und Scheidungskonflikt ist kein weichgespültes Chi-Chi, sie ist nicht immer sanft – und, was wichtig ist, auch hier kann gestritten werden. Mediation ist durchaus auch mit Leidenschaften verbunden – und das ist gut so. Nur sorgt der schützende Rahmen der Mediation dafür, dass Gefühlsausbrüche einerseits nicht in Gewalt umschlagen können und andererseits dafür, dass man in solchen Situationen nicht alleine gelassen ist.

Am Ende einer erfolgreichen Trennungsmediation steht dann eine Vereinbarung, die alle Scheidungsfolgen abschließend regeln kann – individuell und nachhaltig, und – wenn es notwendig erscheint, auch gleich mit Verfahrensregeln für eine Evalutation und Anpassung.

Daneben schafft Mediation im Trennungs- und Scheidungskonflikt dort Freiräume, wo das Familienrecht nicht bis zum Ende denkt: Das weitere Schicksal von Scheidungsimmobilien, gemeinsamen Schulden, die irgendwann abgelöst werden oder gemeinsamem Vermögen gehört ebenso dazu wie das von Familientieren. Aber auch wenn es „nur“ um die Verteilung von Haushaltsgegenständen, Ersparnissen und Schulden geht oder wie mit den Kindern weiter verfahren werden kann, soll, darf…… kommunikative Lösungen, wie sie die Familienmediation erarbeiten, sind ein erster Schritt in eine selbstverantwortete Zukunft.

Und wenn man es nochmals ganz genau wissen will: Der Netzfund (s.o.) hilft weiter.

Veröffentlicht von Roland Hoheisel-Gruler

Volljurist// Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)//Hochschullehrer

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