Vertraulichkeit: Eine Grundvoraussetzung der Mediation

Was macht Mediation so besonders? Und was unterscheidet Mediation von gerichtlichen und anderen Verfahren zur Konfliktregulierung?

Mediation - Vertraulichkeit

Zu den wesentlichen Grundvoraussetzungen gehört das Prinzip der Vertraulichkeit. Das scheint nun auf den ersten Blick nichts besonderes zu sein. Tatsächlich liegt aber dessen Reiz in den Wirkungen, die diese Voraussetzung zu entfalten in der Lage ist.

Mediation geht von der Annahme aus, dass Konflikte sich auf einem kommunikativem Wege lösen lassen. Dabei geht es nicht nur um die Frage nach dem besseren Argument, sondern darum, dass aus wechselseitigen Bedürfnislagen und aus deren bestehenden Unterschieden – die ja im Kern die Ursache des Konflikts mit beherrschen – Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden können, aus denen dann eine tragfähige Lösung erarbeitet werden kann.

Das ist der wesentliche Unterschied zum gerichtlichen Verfahren: Dort entscheidet neben dem besseren Argument auch, wer seiner Darlegungs- und Beweislast nachkommen kann. Das Wort „überzeugen“ stammt ja letztlich aus dem altgermanischen Recht, wonach derjenige den Sieg im Prozess davon trug, der mehr Zeugen für seine Darstellung aufbringen konnte. Überzeugen heißt also: Wer drei Zeugen für sich aufbieten kann, überzeugt denjenigen, der nur zwei Zeugen auf seiner Seite hat. Oder – wie Goethe im Faust Mephistoteles zu Gretchen sagen lässt:

„Durch zweier Zeugen Mund
Wird allerwegs die Wahrheit kund.“

Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, Der Nachbarin Haus, Mephistopheles zu Margarete

Im gerichtlichen Verfahren haben wir es also mit Beweismitteln und auch Beweisnöten zu tun. Das gerichtliche Verfahren ist – von wenigen Ausnahmen abgesehen – zudem öffentlich.

Dagegen bietet die Mediation einen geschützten Raum, in dem die Mediant:innen sich nicht nur austauschen, sondern durch den Mediator/die Mediatorin durch den Kommunikationsprozess geleitet werden. Was hier während des Verfahrens im Raum gesprochen wird, verlässt diesen nicht. Auch können beigezogene Unterlagen nicht in einem sich etwa (nach Scheitern der Mediation) anschließenden Verfahren als Beweismittel verwendet werden, wenn sie von der anderen Konfliktpartei stammen. Mediator:innen stehen auch nicht als Zeug:innen in einem solchen Verfahren zur Verfügung.

Der geschützte Raum der Vertraulichkeit kann erst ein Klima schaffen, in dem lösungsorientiert gearbeitet werden kann. Diese Vertraulichkeit schafft genau das Vertrauen, das es braucht, um in einem Konflikt zielorientiert arbeiten zu können. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass das wechselseitige Vertrauen in einer solchen Konfliktlage gering und zudem fragil ist.

In der Vertraulichkeit des gesamten Verfahrens liegt daher einer der wesentlichen Vorteile dieser Konfliktbewältigungsmethode.

Veröffentlicht von Roland Hoheisel-Gruler

Volljurist// Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)//Hochschullehrer

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