Gewalt gegen Frauen

Der Papst hat bei seiner Neujahrsansprache zum Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen aufgerufen.

stop häusliche gewalt

Dieses wichtige Anliegen ist vereinzelt kritisiert worden: Zum Einen wurde bemängelt, dass hier das Oberhaupt einer Institution gesprochen habe, die ihrerseits bei der Aufarbeitung eigener Missbrauchs-Skandale es an Transparenz und Konsequenz fehlen lasse. Auch wurde die Auffassung vertreten, der Papst stehe für ein Frauenbild, das seinerseits nicht nur aus der Zeit gefallen sei, sondern darüber hinaus auch Frauen in einem gewalttätigen Umfeld festhalte. Schließlich leide die Glaubwürdigkeit, wenn in der eigenen Institution das Weiheamt den Frauen verwehrt sei und bleibe.

Gleichwohl sind diese Einwände zwar nicht einfach von der Hand zu weisen, sie gehen aber am grundsätzlichen Anliegen Franziskus‘ vorbei:

Die Ansprache fand an einem Hochfest, also einem Feiertag statt, an dem die katholische Kirche Maria, der Mutter Gottes gedenkt. Dieser Tag soll nach katholischem Verständnis ein Anfang werden, und zwar nicht nur im Kalender. Dabei kommt Maria als Mutter des Messias eine besondere Rolle zu.

So muss auch das Anliegen des Papstes verstanden werden: Er stellt die Frauen in der Welt eben auch als Menschen dar, die ebenso schutzbedürftig und liebenswert sind, wie Maria. Die Würde, die jedem einzelnen Menschen zukommt – und da ist der Papst sehr authentisch und darf nicht mit der Institution und ihren internen Macht- und Ränkespielen gleichgesetzt werden – ist eine universelle. Dadurch, dass der Papst die Gewalt gegen Frauen anprangert und verurteilt, fordert er gerade eine Abkehr von patriarchalen und männerdominierten Strukturen. Der Aufschrei müsste daher aus dem Inneren der Bewahrer althergebrachter Strukturen kommen. Das, was der Papst hier fordert ist nicht weniger, als dass in jeder Frau deren ihr zukommende göttliche Würde erkannt werde. Nach katholischem Verständnis blickt aus jedem geschundenen Leib der gemarterte Christus selbst die Täter an. Das ist das eigentlich Wichtige: Es gibt kein Recht und keine Entschuldigung für Gewalt gegen Frauen. So, wie die Gottesmutter Maria arm, schutz- und wehrlos war, so sind es die Frauen heutzutage, die unterdrückt, gequält, misshandelt, missbraucht und getötet werden. Diese Wege der Gewalt gilt es zu ächten und aus der Lebenswirklichkeit zu verbannen. Es geht nicht darum, Frauen in mehr oder weniger goldene Käfige zu sperren, in denen sie sich sicher fühlen dürfen, sondern darum, dass sie ein aufrechtes und selbstbestimmtes Leben führen können, ohne Angst vor Gewalt, Erniedrigung und Verfolgung.

Weil nun bei uns ein Großteil der Gewalt gegen Frauen im häuslichen Bereich und im sozialen Nahfeld stattfindet, soll hier nun ein Schwerpunkt darauf gelegt werden, der häuslichen Gewalt den Kampf anzusagen (und ja: ich höre die Einsprüche schon, dass auch Männer hier Opfer sind und werden – ABER: Der weitaus größte Teil der Opfer ist weiblichen Geschlechts, die Täter sind in den allermeisten Fällen Männer). Es wird also auch darum gehen, Fragen der Macht und Ohnmacht im sozialen Nahbereich auszuloten und der Gewalt an dieser Stelle entgegenwirken zu können. (Nächster Einwand: Damit soll ansonsten auch vorhandene sexuelle und sexualisierte Gewalt nicht kleingeredet werden, auch in diesem Phänomenbereich haben wir es häufig mit sozialer Nähe zwischen Tätern und Opfern zu tun – auch die Gewalt durch sexuelle Ausbeutung soll nicht verschwiegen werden, hier möchte ich aber mich auf diesen einen Phänomenbereich beschränken)

Häusliche Gewalt ist oftmals eine Folge von Ungleichgewichten in sozialen Nähebeziehungen, und zwar auch, wenn unterschiedliche Interessen aufeinander treffen und diese dann auf der Macht- und Ohnmachtebene ausgelebt werden. Die Durchsetzung mittels körperlicher und/oder psychischer Gewalt ist. Wenn es zu Gewaltanwendungen gekommen ist, ist Mediation fast aussichtslos oder unmöglich geworden, weil es ein Mindestmaß an Vertrauen braucht, um erfolgreich ein solches Verfahren zu durchlaufen. Gewalterfahrungen stehen jedoch diesem letztlich entgegen.

Auf der anderen Seite kann Mediation frühzeitig hilfreich sein, nämlich dann, wenn solche Ungleichgewichte erkannt werden und die Hoffnung besteht, dass Wege gefunden werden können, wie damit umgegangen werden kann und wie eine Augenhöhe hergestellt wird – und zwar, bevor es zur Gewaltanwendung kommt.

Darüber hinaus ist Mediation im Trennungskonflikt eine bewährte Methode, Konflikte und Konfliktliniem in einem kontrollierten und vereinbarten Prozess zu bearbeiten. Damit wird das darin steckende Potential, das sich auch in Gewalt entladen könnte, kanalisiert und letzten Endes zivilisiert.

Das Anliegen des Papstes ist wichtig: Und es ist – nicht nur in seiner Lesart – ein wichtiger Baustein für eine friedlichere Welt. Dazu muss niemand mit dem Finger in andere Länder zeigen oder die politisch Verantwortlichen als Alleinzuständige bezeichnen: Das kann im sozialen Umfeld anfangen – nämlich bei dem Bemühen, Konflikte in einem geordneten Verfahren lösungsorientiert und sachgerecht zu bearbeiten. Dabei bedüfen – und das ist der eigentliche Punkt – die Frauen aufgrund der patriarchalen und antifeministischen Strukturen in den allermeisten Gesellschaften – eines besonderen Schutzes. Mediative Verfahren können hierbei unterstützend hilfreich sein, weil es einer dritten Person bedarf, diese strukturellen und versteinerten Gefälle auszugleichen und eine Konfliktlösung auf Augenhöhe zu ermöglichen. Dies ist ein guter Anfang.

Veröffentlicht von Roland Hoheisel-Gruler

Volljurist// Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)//Hochschullehrer

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