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PON fragt: Was macht einen guten Mediator aus?

PON: Das steht für Program on Negotiation an der Harvard Law School. In deren blog zu Mediation und alternativen Konfliktlösungsstrategien haben sie die Frage gestellt, was einen guten Mediator ausmache.

Quelle: What Makes a Good Mediator? – PON – Program on Negotiation at Harvard Law School

In diesem lesenswerten Artikel ist bemerkenswert, dass die Medianten in den genannten Befragungen nicht den Eindruck hatten, die Mediatoren hätten eine überaus aktive Rolle gespielt. Etwas flapsig beschrieben als diejeigen, die „das Fenster aufgemacht haben, Kaffee gekocht haben oder die Leute sich haben gegenseitig vorstellen lassen.“

Dahinter verbirgt sich aber auch ein Geheimnis einer guten Mediation: Hier gelingt dem Mediator der Aufbau einer Beziehung zwischen den Medianten, also die Schaffung einer Ebene, auf der die Konfliktparteien sich in der Lage finden, ihr anstehendes Problem wie selbstverständlich einer Lösung zuzuführen. Der Mediator hat natürlich einiges mehr zu tun, als zu lüften und die Parteien mit Heißgetränken zu versorgen. Es geht nämlich darum, einen Kommunikationsprozess so zu führen, dass sich niemand gegängelt oder gedrängt fühlt. Die Schaffung dieser Atmosphäre einer Sicherheit und der Freiheit, entscheiden zu können, macht eine gute Mediation aus.

Damit das gelingt, müssen die Mediatoren die Trüffeln auf dem Weg der Konfliktlösung erschnüffeln und vorsichtig bergen, sie müssen die verlorenen und neuen Chancen behutsam ergreifen und sorgsam wieder in den Prozess einführen.

Damit das gelingt, darf der Mediator nicht im Vordergrund stehen, seine Arbeit ist vielmehr subtil. Es geht um die Schaffung einer echten Vertrauensbasis, auf der alle Beteiligten arbeiten können. Vertrauen und Zuversicht sind hierbei die Ziele, die der Mediator für sich in den Prozess einbringen muss. Wenn es gelingt, Vertrauen der Medianten zu gewinnen und die Zuversicht zu wecken, angeleitet durch das Verfahren die anstehenden Probleme einer Lösung zuzuführen, dann ist Mediation für alle Beteiligten ein Gewinn.

 

 

Haltung in der Mediation

Die Haltung des Mediators oder der Mediatorin wird gerne als ein zentrales Element bei dieser Form einer alternativen Konfliktbewältigung beschrieben. Doch was genau ist gemeint, wenn die Haltung angesprochen wird?

Gemeint ist hier weniger die Gesinnung, die der Meditator mit in diesen Prozess bringt, vielmehr geht es eher um die Einstellung, die diesem Prozess und seinen Beteiligten entgegengebracht wird. Von daher wäre das englische Wort „attitude“ auch angemessen.

An erster Stelle steht hier das Stichowort „Respekt“. Dabei geht es nicht darum, dass man als Mediator Respekt von den Medianten einfordert, sich also zum Herr des Verfahrens aufschwingt und den Ton angibt. Das ist eine Gefahrenquelle, die immer leicht dann zu sprudeln beginnt, wenn die Medianten schon mit dieser Erwartungshaltung ankommen, man möge ihren Konflikt lösen. Wie leicht nimmt man diese Ehre an – und verlangt dann den Respekt für die hieraus sich ergebende Autorität! Dabei ist es genau anders herum: Als Mediator muss man den Medianten allen Respekt entgegenbringen, schon allein deswegen, weil sie sich eigenverantwortlich ihrem Konflikt und dem Verfahren stellen. Eine wichtige Aufgabe für den Mediator ist hierbei, dafür zu sorgen, dass auch die Medianten miteinander respektvoll umgehen. Gerade in familiären Konflikten ist dies keine Selbstverständlichkeit. Die Einstellung des Mediators muss daher lauten, diese Haltung zu vermitteln, ein Quäntchen mehr Respekt dem Gegenüber aufzubringen, als man selbst für sich einzufordern gedenkt.

Gerade diese Haltung führt dazu, dass ein Grundstein dafür gelegt werden kann, die andere Partei in ihrer Ganzheit anzuerkennen und damit auch zuzulassen, dass grundsätzlich auch andere Sichtweisen auf die Konfliktstellung als die eigene erst einmal grundsätzlich möglich und denkbar sind. Wenn eine respektvolle Begegnun ermöglicht werden kann, dann ist diese Brücke zwischen den Gegensätzen aufgespannt. Damit ist natürlich weder gesagt noch verlangt, dass die andere Sicht auf die Dinge gutgeheißen werden müsste.

Damit einher geht auch die zweite Begrifflichkeit: nämlich die der „Wertschätzung“. Das ist etwas, das den Mediator permanent fordern muss: die Aufgabe, dass jeder Mediant in seiner eigenen Position, in der er sich im Konflikt befindet, erst einmal grundsätzlich wertgeschätzt werden muss. Das ist auch dann der Fall, wenn diese Position sich grundsätzlich von eigenen Grundeinstellungen unterscheidet. Das bedeutet, dass auch für auf den ersten Blick abwegig erscheinende Positionen und Interventionen diese wertgeschätzt sein wollen. Denn nur dann, wenn der Mediant für sich und seine Überzeugung Wertschätzung erfahren kann, kann er sich ernstgenommen fühlen und sich dem Prozess anvertrauen. Dabei muss er zweierlei lernen und erfahren: Erstens die Wertschätzung für sich und die eigene Position, die er einfordern kann und die dann auch entgegengebracht werden muss. Im Gegenzuge wird er aber auch die konträre Position wertschätzen müssen – denn nur so gelingt es, die Wertigkeit des eigenen Standpunktes in den Prozess einzuführen. Werde ich und meine Haltung wertgeschätzt und erstgenommen, dann muss ich das auch mit jener der anderen Konfliktpartei vornehmen. Dies ist unter Umständen schwierig – der Mediator muss hierbei also zeigen, dass er beide Medianten in ihren unterschiedlichen Positionen schätzt und ihnen die ihnen zukommende Wertschätzug zuteil kommen lässt. Die Erfahrung des Medianten, wertgeschätzt zu werden ist daher mindestens so wichtig wie die Erfahrung, mitzuerleben, dass auch der andere wertgeschätzt wird – und dass beide aufgefordert sind, selbiges ebenfalls zu tun.

Damit einher geht dann die weitere Forderung an den Mediator, nämlich über den Respekt und die Wertschätzung hinaus auch den Medianten als einen anderen Menschen in seiner Rolle in diesem Konflikt wahrzunehmen und seine Bedürfnisse ernst zu nehmen. Den Medianten also in seiner besonderen Eigenart bei der Lösung seines Konfliktes zu unterstützen. Dabei gehört es zwingend dazu, dass die Fähigkeiten der Medianten, selbst den Konflikt zu bearbeiten und zu lösen, aufgespürt, erkannt und gefördert werden. Es sind gerade die in dem Konflikt gefangenen Kräfte, die durch die aktive Rolle des Mediators gefördert werden müssen. Die Konfliktlösungskompetenz liegt bei den Parteien des Konflikts, nicht beim Mediator. Diese Grundhaltung verlangt auf der einen Seite Zurückhaltung, auf der anderen Seite aber immer eine Portion an Zuversicht und Optimismus und fördernde Unterstützung. Diese Zurückhaltung öffnet erst den Weg dorthin, dass man sagen kann, Konflikte sind dazu da, gelöst zu werden. Negative Einflüsse können so nicht einfach nur weggewischt oder negiert werden, sie können auf der anderen Seite aber auch nicht dazu führen, dem Konflikt ungebremst seinen Lauf zu lassen.

Durch diese Haltung werden die Konfliktparteien in ihrer eigenen Kompetenz gestärkt, die konkret vorhandene Schwierigkeit zu erkennen, zu bearbeiten und einer Lösung zuzuführen.

Vielleicht tut sich dann eine Schwierigkeit an einer anderen Stelle auf – dann hat man das Lösungshandwerkszeug zur Hand – oder man schafft eine nachhaltige Befriedung der Situation. Damit ist zwar nicht gesagt und auch nicht gefordert, dass die vormaligen Konfliktparteien als nunmehr „beste Freunde“ auseinander gehen – aber das, was sich störend zwischen sie geschoben hat, ist abgearbeitet und erledigt und der Blick kann nach vorne gehen.

Wenn die Verhandlungen in der Sackgasse stecken – und wie man mit Mediation wieder herauskommen kann

Im Blog der Harvard Law School PON (Program of negotiation) ist ein lesenswerter Artikel erschienen, der sich an Konfliktparteien richtet, deren Verhandlungen – warum auch immer – in eine Sackgasse geraten sind.

Quelle: How Mediation Works When Both Parties Agree They Need Help Resolving the Dispute – PON – Program on Negotiation at Harvard Law School
In einem solchen Fall ist es ratsam, Hilfe von dritter Seite zu holen – weil ab einem solchen Punkt es auf jeder Seite darum gehen kann, „zu gewinnen“ – oder auch, ein etwaiges Scheitern der Verhandlungen nicht auf das eigene Verschulden zurückführen zu lassen. Solche Verhaltensweisen sind dann aber geeignet, die festgefahrenen Verhandlungen eher erhärten zu lassen, als eine Lösung herbeizuführen.

Wenn wir es mit einer solchen Situation zu tun haben, dann kann der Mediatior als allparteilicher Dritter das leisten, wozu die Parteien in diesem Moment nicht in der Lage sind: Eine Konfliktklärung vornehmen und gegebenenfalls mit den einzelnen Parteien zunächst vertrauliche Gespräche führen, von denen allenfalls das, was vereinbart wird, dann der Gegenseite mitgeteilt wird. So können behutsam Brücken gebaut werden und die hinter den Sachfragen stehenden Bedürfnisse geklärt werden.

Ein solches Vorgehen ist nicht nur bei Vertragsverhandlungen zwichen Wirtschaftsunternehmen angebracht, der Grundsatz, eine allparteiliche Stelle einzusetzen, die nicht als Schlichter oder Schiedsrichter fungiert, sondern die auf der Basis der wechselseitigen Bedürfnislagen mit den Parteien lösungsorientiert arbeitet, funktioniert auch im Kleinen: Sei es der Familienkonflikt bei Trennung oder Scheidung, bei einer Erbauseinandersetzung (auch schon zu Lebzeiten), einem Nachbarschaftsstreit oder sonstigen Konfliktlagen in der Arbeitswelt.

Entscheidend hierbei ist aber, dass der Klärung und Bearbeitung die Zeit eingeräumt wird, die es braucht, um die meist vielschichtigen Problemstellungen gründlich anzugehen.

 

Vergeben und Vergessen: Was hat es damit in der Mediation auf sich?

Ein lesenswerter Artiken befasst sich hier:

Quelle: Forgiving and Forgetting. How It Helps and Hinders Conflict Resolution

mit der Fragestellung, wie Vergeben und Vergessen sich auf den Konfliktlösungsprozess auswirken kann. Im Originaltitel treffend bezeichnet mit „How it helps and hinders“, zu deutsch also, wie diese Prozesse helfen können, wie sie aber auch der Konfliktlösung im Wege stehen.

Gerade in der Mediation geht es darum, den Konflikt auf vielen Ebenen zu bearbeiten und einer Lösung zuzuführen. Dazu gehört neben der reinen Sachebene auch die emotionale Seite eines Konfliktes. Gerade wenn es darum geht, dass persönliche Betroffenheiten der Lösung auf der Sachebene im Wege stehen könnte, ist es hilfreich, sich den Instrumenten des Vergebens und Vergessens zu widmen.

Dabei halte ich es aber für unbedingt erforderlich, dass geklärt wird, was und warum hier gegenseitig vergeben wird – und was und warum dann vereinbarterweise in Zukunft im Orkus landen soll. Nur eine tiefe und ernsthaft empfundene Vergebung kann die Wirkung entfalten, die benötigt wird, um die Blockade zu lösen. Zu dieser Vergebung gehören aber zwei: Eine Seite, die die Vergebung gewährt und die andere, die diese annimmt. Vergeben werden kann nur, was als Fehlverhalten empfunden werden konnte. Deswegen ist hier auch die Interaktion so wichtig: Die Konfliktklärung muss sich dieses Fehlverhaltens annehmen und ansprechen. Ein Verdrängen kann im Mediationsprozess nicht weiter helfen – es steht vielmehr zu befürchten, dass dieser ungeklärte Punkt (oder der zumindest nicht restlos ausgeräumte Punkt) an anderer Stelle unvermittelt und heftig wieder hervorbrechen kann.

Vergeben und Vergessen braucht also beide Seiten: Die die vergibt und die andere, die ihre Rolle hierbei einsieht und die entstandene Verletzung annimmt und Reue zeigt. Wenn das funktioniert, kann Mediation weit über eine rein auf der sachlichen Ebene geführten Auseinandersetzung zur nachhaltigen Befriedung eines Konfliktes beitragen.

 

Wie der Talmud in die Mediation gelangt…..

Ein spannendes Thema: Die Kollegen auf der Seite von jdsupra.com haben sich Gedanken darüber gemacht, wie die Lehren aus dem Talmud sich in der Mediation nutzbar machen könnten. Auf der einen Seite eines der bedeutensten jüdischen Werke, geschrieben in der Antike nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer, das sich durch die Diskussion über die Auslegung der biblischen Texte der Tora auszeichnet, auf der anderen Seite eine Methode, Konflikte durch Kommunikation zu lösen.

Quelle: From the Talmud: Making Peace in Mediation by Giving Others the Benefit of the Doubt

In diesem Beitrag – der einer Reihe zu Bezügen zwischen Mediation und Talmud entstammt – geht der Autor dem Gebot aus dem 3. Buch Mose nach:

Ihr sollt beim Rechtsentscheid kein Unrecht begehen. Du sollst weder für einen Geringen noch für einen Großen Partei nehmen; gerecht sollst du deinen Mitbürger richten.

Hierzu wird den talmudistischen Auslegungen nachgespürt – und der Autor landet dann beim Stichwort „Vertrauensvorschuss“. Die Forderung nach der Gerechtigkeit im Gericht bedeute, dass nur dann kein Unrecht begangen werden könne, wenn nicht vorschnell geurteilt werde.

Hieraus wird dann – und das ist für die Mediation wirklich ein brauchbarer Gedanke – die Forderung, auch in gestörten und zerrütteten Konfliktsituationen muss man der jeweiligen Partei einen Vertrauensvorschuss gewähren. Vorschnelle Schlüsse können konfliktauslösend und verschärfend wirken.

Deshalb resultiert hieraus die Forderung an eine Haltung, die hinterfragt und die der Konfliktklärung Raum gibt. Erst wenn dieser Vertrauensvorschuss gegeben wird, kann hieraus der notwendige Raum geschaffen werden, den Konflikt wirksam und nachhaltig zu bearbeiten.

Wenn Tiere Gegenstand familienrechtlicher Auseinandersetzungen werden….

Erst kürzlich erregte eine Entscheidung des OLG Stuttgart Aufsehen, weil das Gericht es abgelehnt hatte, der Antragstellerin Umgang mit dem vormaligen Familienhund zuzusprechen. Erstinstanzlich war das Verfahren übrigens am Amtsgericht hier in Sigmaringen gelaufen gewesen.

Es ist aber durchaus zu beobachten, dass Haustiere oftmals bei familienrechtlichen Auseinandersetzungen Gegenstand von Streitigkeiten sind. Das hat meist mit der Rolle des Tieres in der Familie zu tun, mit gewachsenen Beziehungen zum Tier, manchmal auch damit, dass ein Tier „wie ein Kind“ in der Familie lebt.

Ich habe nun für AZOFAM bei juris eine diesbezügliche Entscheidung des OLG Oldenburg aufgearbeitet, in der es um die Herausgabe eines Hundes ging.

Hier hat das Gericht sich zwar auch an die Regeln gehalten, die bei der Verteilung von Haushaltsgegenständen zu berücksichtigen sind. Auf der Abwägungsebene hat das Gericht dann aber auch Tierwohlgesichtspunkte mit einfließen lassen.

Den Aufsatz bei juris ist hier zu erreichen.

The Truth About Divorce Mediation – oder: Die Wahrheit über Mediation bei Trennung und Scheidung

So ist der Beitrag auf der unten verlinkten Seite überschrieben:
— Weiterlesen supportforstepdads.com/general/truth-divorce-mediation/

Hier wird in kurzen Abschnitten auf gängige Vorurteile und Missverständnisse, die Mediation in Auseinandersetzungen bei Trennung und Scheidung eingegangen.

Der Beitrag ist absolut lesenswert und leicht verständlich.

Ich werde in unregelmäßigen Abständen immer wieder darauf zurückkommen und auf die unter Umständen bestehenden Besonderheiten in deutschen Verfahren zu sprechen kommen.

Anspruch auf Herausgabe des Kinderreisepasses

Streitigkeiten zwischen getrennt lebenden Eltern um das Sorgerecht und/oder das Umgangsrecht führen auch häufig zu der Frage, wie es denn mit dem Kinderreisepass des Kindes bestellt ist. Gerade wenn ein Elternteil die Befürchtung hegt, der Andere könne mit dem Kind ins Ausland ausreisen, ist diese Frage akut.

Neben der Frage nach der richtigen Anspruchsgrundlage für die Herausgabe des Passdokumentes stellt sich auch die Frage danach, ob und in welchem Umfang der die Herausgabe verlangende Elternteil auch tatsächlich darauf angewiesen ist.

Der Bundesgerichtshof hat die in Literatur und Rechtsprechung kontrovers diskutierten Fragen im Beschluss v. 27.03.2019 – XII ZB 345/18 ausgiebig diskutiert und einer höchtrichterlichen Lösung zugeführt.

Meine Darstellung des Streitstandes und der Rechtslage sowie eine Besprechung der Entscheidung sind heute in der AnwZert FamR erschienen und hier bei juris zu finden:

Hoheisel-Gruler, AnwZert FamR 12/2019 Anm. 1

Reasons to use mediation in divorce – Warum sollte man sich bei einer Trennung einer Mediation bedienen?

Dieser Frage stellen sich Kollegen aus Texas in einem Blog-Beitrag zum Thema „Divorce Mediation“
— Weiterlesen www.mjhillfirm.com/blog/2019/06/reasons-to-use-mediation-in-divorce.shtml

Auch wenn wir in Deutschland ein völlig anderes Rechtssystem und eine andere Kultur gerichtlicher Auseinandersetzungen haben als in den USA, so liegen die Grundlinien der möglichen Konflikte doch auf einer Linie: Es geht um die Neuorientierung von Lebensentwürfen und damit einhergehenden Lösungen bis dahin eingegangener Verknüpfungen. Diese sind nicht nur wirtschaftlicher Art sondern vielschichtiger.

Daneben gilt es, auch an die Verantwortung zu denken, die man für gemeinsame Kinder eingegangen ist – und die die Beteiligten auch über die Trennung hinaus noch trotz der Neuorientierung verbunden hält. An diesem Punkte setzen auch die texanischen Kollegen an.

Mediation bietet hierbei die Möglichkeit, die sich aus den Folgen der Trennung ergebenden Umstände gemeinsam zu bearbeiten und zu bewerten und hieraus dann die bestmöglichen Handlungsvarianten auszuwählen. Dabei ist es unerlässlich, dass ein Perspektivwechsel auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern gelingt. Gerade im Trennungskonflikt ist dies oftmals nicht ohne außenstehenden Beistand durch einen allparteilichen Dritten möglich. Der Abschied vom bisher gemeinsamen Lebensentwurf und die in die Zukunft gerichtete Neuorientierung muss eben wenn es um Kinder geht, nach Möglichkeit gemeinsam gelingen. Die Trennung von Eltern- und Paarebene und das Gelingen des Eltern-Bleibens bedarf aber in der Regel verlässlicher Vereinbarungen, die konsensual getroffen wurden.

Wenn solches misslingt, steht zwar der Weg zum Familiengericht offen – ich halte dies aber im Interesse aller Beteiligten und für eine zukunftsgerichtete lösungsorientierte Perspektive allenfalls den zweitbesten Weg.

Kinder – Kinderrechte – Kindergrundsicherung

Heute besuchte ich die Kinderrechte-Tour auf dem Alten Markt in Magedburg. Dort konnte ich äußerst interessante Gespräche führen. Hierbei hat sich meiner Meinung nach gezeigt, dass es wichtig ist, die Rechte der Kinder nicht nur ins Bewusstsein zu rücken, sondern eben diese Rechte im Grundgesetz zu verankern.

Denn natürlich sind alle dafür, Missbrauch hart zu bestrafen, Kinderpornographie sowieso, und Menschen, die Kinder halb tot prügeln, einzusperren.

Das Bild ändert sich, wenn es darum geht, auch psychische Gewalt als solche zu benennen, das Küsschen für die Tante eben nicht zu tolerieren oder darauf zu verweisen, dass Kinderbilder im Internet auch schon gar nichts verloren haben. Digitaler Narzissmus, Gleichgültigkeit und mangelnde Sensibilität, das sind Baustellen, die mit einer verfassten Stellung der Kinderrechte angegangen werden könnten.

Und dann fiel mir noch dieser Tweet von Annalena Baerbok in die Hände:

https://twitter.com/abaerbock/status/1139133193112686595?s=12

Und der passt eigentlich ganz gut zum Thema:

Es geht nämlich nicht nur darum, Kindern ihre Lebensgrundlagen zu sichern, ich sehe auch einen großen Pluspunkt darin, dass über dieses Instrument Eltern in Trennungssituationen der Streitpunkt um den Unterhalt genommen werden kann – und damit auch ein vergiftetes Faustpfand, wenn es um Umgangsregelungen und Sorgerecht geht.

Wenn die Grundsicherung auf beide Elternteile verteilt würde, dann würde wohl ein Rennen darum entstehen können, wer das Kind jetzt gefälligst zu betreuen hat – eine Umkehrung der derzeit noch häufig anzutreffenden Situation. Mal sehen, was daraus wird….

Zu guter Letzt sei noch angemerkt, dass alle kindbezogenen Themen am Besten zwischen den Beteiligten Eltern einer einvernehmlichen Regelung zugeführt werden sollten – weil die beiden sich und das oder die Kinder am besten kennen – und auch ihrer Verantwortung gerecht werden können (sollen). Womit ich wieder bei meinem Grundsatz angelangt wäre: Mediation ist eine Möglichkeit, auf kommunikativem Wege zu Vereinbarungen zu kommen, die eigenverantwortlich erarbeitet wurden und die ebenso evaluiert werden können – im Interesse der Bedürfnisse aller.