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Wie Mediation funktionieren kann..

Das ist das Thema eines Artikels auf den Seiten der Harvard Law School:

Quelle: How Mediation Works When Both Parties Agree They Need Help Resolving the Dispute – PON – Program on Negotiation at Harvard Law School

Wenn beide Konfliktparteien darin übereinstimmen, dass sie bei der Lösung ihres Konflikts externe Hilfe in Anspruch nehmen sollten, dann ist Mediation ein sicherlich brauchbares Hilfsmitteln hierzu.

Weil eine gerichtliche Entscheidung eben Gewinner und Verlierer zurücklässt, ein dahinter liegender Konflikt aber auch vielschichtiger sein kann, ist die zuerst genannte Erkenntnis ein erster, aber wichtiger Schritt.

Interessant an dem genannten Artikel ist auch, dass er nicht nur darüber belehrt, wie gut und richtig und wichtig Mediation ist – hiervon gibt es wahrlich mehr als genügend davon – und schließlich preist jeder Krämer seine Ware.

Hier wird das – im Übrigen auch in der Mediation zur Anwendung kommende – Instrument des Perspektivwechsels eingesetzt und aus der Sicht der Medianten eine Problemstellung nebst passenden Lösungstipps vorgestellt.

Nur wenn zu Ende im Beispiel der Mediator seine Rolle als allparteilicher Vermittler, der die Parteien zu einer eigenständigen Lösung anleitet und unterstützt, verlässt, ist m.E. Kritik angebracht: Der Mediator soll gerade nicht „Vergleichsvorschläge“ unterbreiten oder ins Spiel bringen, sondern die Konfliktparteien darin unterstützen, selbst am Ende ein Ergebnis zu erarbeiten. Wenn im Artikel also steht:

„The mediator proposes that you accept $1.5 million, along with various other commitments from the manufacturer.“

…dann ist das mit einer guten mediativen Praxis nicht vereinbar.

„A mediator doesn’t propose anything“

wäre die richtige Antwort gewesen.

Mediation: Es gibt nicht den einen richtigen Weg

Die Harvard Law School hat eine kleine Typisierung von Mediationsarten und Formen vorgenommen:

Quelle: Types of Mediation: Choose the Type Best Suited to Your Conflict – PON – Program on Negotiation at Harvard Law School

Dabei wird ersichtlich, dass es eben nicht den einen richtigen Weg gibt. Es kommt vielmehr entscheidend darauf an, welches Ziel mit dem Verfahren erreicht werden soll, und was die Medianten hierzu vereinbaren.

Richtigerweise kann man den Konfliktparteien hier zwar Vorschläge unterbreiten, insgesamt geht es doch darum, soweit zu Beginn des Vefahrens zu informieren, dass auch eine Möglichkeit zur Auswahl besteht.

In der Praxis werden die Medianten mit einem Anliegen kommen, das heißt, man wolle einen Konflikt gelöst bekommen. Der Weg dorthin, die Unterstützung durch den allparteilichen Mediator, Begleitung und Unterstützung von rechtsberatender, anwalticher Seite u.v.m.

Weil Konfliktlösung und deren Unterstützung ein kommunikatives Werkzeug ist, können auf diesem Wege auch die Arten, wie man vom P?roblem zur Lösung gelangt, vielfältig sein. Das Beharren auf einen richtigen Weg und die eine Methode stellt vermutlich schon selbst für sich genommen ein Problem dar.

Von daher ist den Macher*innen des PON zu danken, hier mit der Typisierung einen ersten Schritt zur Klassifizierung und Unterscheidung gemacht zu haben.

Nachbarschaftsstreit – kann Mediation eine Lösung anbieten?

Louisa Weinstein vom Conflict Resolution Centre in London hat sich dieser Frage genähert und 5 Gründe aufgezeigt, warum Mediation in Nachbarschaftskonflikten helfen kann.

Quelle: Neighbour disputes: 5 reasons mediation can help?

Die von ihr angeführten Gründe gelten nicht nur im Vereinigten Königreich, sondern können auch auf die Situation in Deutschland übertragen werden. Dabei muss man sich aber vergegenwärtigen, dass das englische Rechtssystem und das englische Gerichtsverfahrensrecht mit dem hiesigen kaum Gemeinsamkeiten bietet. Grundverständnisse, Verfahren und Zugänge zum Recht sind dort anders, als wie bei uns gewohnt. Dies spielt insbesondere dann, wenn die englischsprachigen Quellen sich über die Vorteile von Mediation gegenüber dem Gerichtsverfahren auslassen, eine nicht unerhebliche Rolle.

Gleichwohl ist es im Nachbarschaftskonflikt so, dass ein solcher schnell eskalieren kann. Die Parteien haben täglich Gelegenheit dazu, den Konflikt neu anzuheizen. Die räumliche Nähe führt dazu, dass Verhaltensweisen zunehmend kritisch beäugt werden und zu „Gegenschlägen“ ausgeholt werden kann.

Hinzu kommt, dass die Konfliktparteien nicht nur während einer Verfahrensdauer, die sich auch bei schnellen Gerichtsverfahren durchaus in die Länge ziehen kann, abgesehen von der Möglichkeit, dass das Ganze noch in eine zweite Instanz geht, auf- und nebeneinander sitzen und sich gegenseitig aushalten müssen. Vielmehr wird diese Situation auf engem Raum solange aufrecht erhalten bleiben, bis eine der Parteien wegzieht.

Dabei muss man beachten, dass man vielleicht einen Prozess gewinnen kann, für sich genommen kann sich so etwas als Pyrrhus-Sieg erweisen, denn auf der anderen Seite sitzt einem nun ein Verlierer gegenüber. Das dient selten der Befriedung, sondern kann Rachegelüste eher befeuern, denn dämpfen. Der Sieg oder die Niederlage in einem Rechtsstreit kann hier eben nicht die Situation in Gänze befrieden, sondern eine Etappe in einem vielschichtigen Konflikt unter Rechtsgesichtspunkten entscheiden. Selbst ein Vergleich im gerichtlichen Verfahren bedeutet im ersten Moment, wenn dies nicht mit flankierenden Maßnahmen versehen wird, in der Regel nicht mehr als wie einen Burgfrieden.

Mediation dauert zwar auch seine Zeit, in der Regel können aber bei Verständigung auf das Verfahren kurzfristig erste Termine vereinbart werden, Folgetermine schnell un dunkopmpliziert abgesprochen werden.

Dabei ist wichtig, dass die erste Sitzung auch dafür da ist, die Parteien an ihren Positionen abzuholen, gleichzeitig aber auch Abrüstungsverhandlungen einzuleiten. Es geht nicht darum, einer Partei ein Fehlverhalten nachzuweisen, das sanktioniert werden muss. Es geht auch nicht darum, sich dem Gift eines Whataboutism hinzugeben und in die Eskalationsspirale einzusteigen. Schließlich muss auch nicht der schlimmste Part ermittelt werden.

Wichtig ist vielmehr, dass die Konfliktparteien an ihrer derzeitigen Situation abgeholt werden und zügig die wechselseitigen Bedürfnisse kommuniziert werden können.
Es geht im Kern darum, den Blick auf eine Zukunft des sich nebeneinander Ertragens zu öffnen. Dieser Blick nach vorne zunächst als Vision muss erst geöffnet werden, um den Bedürfnissen dann Ziel und Richtung zu geben.

Wenn dieser Prozess erst einmal eingeleitet ist, kann dies mit einem „Waffenstillstand“ unterstrichen werden.

Letztlich hat also Mediation das Werkzeug, einen Nachbarschaftskonflikt auch nachhaltig und in die Tiefe gehend zu bearbeiten. Dabei dürfte der erste Schritt zwar der schwerste sein, man sollte aber nicht warten, bis das Kind so tief in den Brunnen gefallen ist und eine Verständigung kaum noch möglich. Frühzeitige Krisenintervention hilft.

Schließlich geht es um die eigene Lebensqualität für die nächsten Jahre oder gar Jahrzehnte.

Was genau ist Familien-Mediation?

Dieser Frage geht Marianna Lambrou auf der Seite von RaydenSolicitors nach:

Quelle: What is Family Mediation? | Rayden Solicitors

Un wieder einmal zeigt es sich: Für den erfahrenen Mediator gibts zwar nichts grundlegend Neues, aber sollte man deswegen diesen Text zur Seite legen und zur Tagesordnung übergehen?

Photo by burak kostak on Pexels.com

Es gehört doch gerade zum Wesen der Mediation, die Bedürfnisse der Mediant*innen zu ermitteln und auf dieser Basis weiter zu arbeiten. So gesehen ist ein Text, der im Wesentlichen Grundlagen vermittelt, die man als Mediator „drauf“ haben muss, aber ein gutes Beispiel dafür, wie ein Rollenwechsel in der mediativen Praxis aussieht:

Die Kollegin hat diesen Text ja nicht für ihre Kollegenschar geschrieben, sondern für Menschen, die sich in einem familiären Konflikt befinden. Diese stellen sich die Frage, wie es nun weiter gehen kann und weiter gehen soll. Anwaltsbesuch, auf Freund*innen hören, Mediation, Therapie…. Wir, die wir professionell von außen auf solche Konfliktlagen schauen, müssen uns immer wieder vergegenwärtigen, wie es in den Menschen, die Rat und Hilfe suchen aussieht und wo man diese Menschen abholen kann und muss, um an der Lösung des aktuen Konfliktes zu arbeiten.

Vor diesem Hintergrund müssen auch wir immer wieder die Frage danach, was Familienmediation eigentlich ist, neu beantworten:

Es ist so einfach nicht:

Mediation ist in erster Linie ein selbstverantwortetes und eigenständiges Verfahren, um eine Konfliktlage aufzulösen und eigenverantwortlich eine Lösung zu erarbeiten, die die eigenen Bedürfnisse und die des Konfliktpartners oder der Konfliktpartnerin so berücksichtigt, dass für alle Beteiligten gleichermaßen die bestmögliche aller Möglichkeiten erkannt und realisiert wird.

Da steckt zunächst ganz schön viel Verantwortung und Eigeninitiative drin. Das ist nicht ganz einfach, zumal dann, wenn in der konkreten Situation gerade viel, was an Halt und Stabilität vorhanden schien, in Frage gestellt sein kann.

Warum sollte man sich also so etwas antun?
Wo können die Vorteile liegen?

Diese Antworten fallen je nach Situation unterschiedlich aus: Allein die Kosten, die gerne ins Feld geführt werden, können es nicht sein, denn wenn das Mediationsverfahren scheitert, ist das Geld „in den Sand gesetzt.“ Geschwindigkeit, passgenaue Lösungen sind Vorteilspunkte. Was auch eine Rolle spielen kann, sind Fragen nach der Beweislast: Das ist ein Thema, dem sich „normale“ Menschen nur schwer zuwenden können, wer muss was vor Gericht unter Beweis stellen? Was kommt dabei heraus? Wie ist das mit Wertgutachten? Fragen, die im gerichtlichen Verfahren Zeit und Geld beanspruchen können und Ungewissheiten bis zum Ende offen lassen. Wer weiß schon, was ein Gutachten an Ergebnissen bringt?

Dann geht es auch um die Zeit nach dem Konflikt: Über die Kinder sind Eheleute über Jahre und zum Teil Jahrzehnte noch finanziell und sorgerechtlich aneinander gebunden. Wie will man hier den Blick nach vorne richten, wenn die Vergangenheit noch nicht aufgearbeitet ist?

Wenn solche Fragen im Vordergrund stehen, dann muss man sich vergegenwärtigen, dass der Mediator dann derjenige ist, der deswegen dazwischen zu schalten ist, weil die Fragen und die Sichtweisen der Konfliktparteien unterschiedlicher nicht sein können. Die gestörte Kommunikation muss über einen Kondensator und Katalysator wieder zum Laufen gebracht werden.

Das ist die eigentliche Kunst: Die Mediant*innen zu befähigen, ihre Eigenverantwotrung zu erkennen und dabei zu unterstützen, diese auch wahrnehmen zu können, Bedürfnisse zu artikulieren und andere Bedürfnisse als solche anzuerkennen. Einen Boden zu bereiten, auf dem dann die weitere Zukunft für jeden der Konfliktparteien aufgebaut werden kann, Verstrickungen zu lösen und das Ganze in einen rechtssicheren Rahmen zu geben.

Damit aber – und damit bin ich wieder am Anfang – ein solches gelingen kann, bedarf es auch dieser grundlegenden Informationen wie auf der zitierten Seite. Deswegen bin ich der Kollegin auch dankbar dafür!

Mediation – ein Weg, das eigene Unternehmen vor einem Rechtsstreit zu bewahren

Der Artikel hinter nachfolgenden Link von Daniel Brown hat mich dazu angeregt, an dieser Stelle ein paar weiterführende Gedanken zu diesem Thema aus deutscher Sicht hinzuzufügen.

Quelle: Mediation, a Great Way to Save Your Business from a Lawsuit – Business Partner Magazine

Daniel Brown beschreibt sich selbst als  „law graduate“ und als passionierter  Blogger aus Sydney. Er befasst sich gerne mit Fragen zu alternativen Konfliktlösungsmodellen. Sein Tätigkeitsfeld umschreibt er mit IP-law, Recht am geistigen Eigentum und Wirtschaftsrecht.

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Von daher ist es folgerichtig, wenn er aus der Sicht des Wirtschaftsunternehmens und des Wirtschaftsrechts die Frage aufwirft, was es mit einem Unternehmen macht, wenn es in einen Rechtsstreit gezogen wird, oder wenn man sich darauf einlässt.

Dabei sind seine Gedanken durchaus logisch und auch folgerichtig. Dennoch darf man hier nicht ohne weiteres darauf schließen, dass das auch für deutsche Unternehmen 1:1 zu gelten habe.

Hierfür sind die Rechtssysteme, in denen sich das jeweilige Unternehmen bewegt, zu unterschiedlich. So, wie für uns in Deutschland das Verfahrensrecht und das materielle Recht im anglo-amerikanischen Rechtsraum sich nicht ohne weiteres erschließt und die Rechtskultur, die dahinter steht, unterschiedlicher zur mitteleuropäischen Rechtspraxis nicht sein kann, so kann eben auch eine funktionierende Rechtspflege auf dem Kontinent mit völlig anderen Verfahrensregeln ebenso zügig einen Rechtsstreit entscheiden. Auch ist ein wesentliches Argument, nämlich das Kostenrisiko, bei uns wesentlich kalkulierbarer.

Wichtiger ist, was an sonstigen Skills zur Debatte steht: Geht es um die unterschiedliche Sichtweise auf eine längerfristige Zusammenarbeit zwischen Unternehmen? Gibt es behebbare Gründe in der Störung der Geschäftsbeziehung, die sich aus der Welt schaffen ließe, wenn man die wechselseitigen Interessen berücksichtigt – und vieles mehr.
Unsere Marktwirtschaft lebt vom arbeitsteiligen Austausch zwischen Unternehmen. Störungen in diesen Austauschketten können, wenn sie rechtzeitig wahrgenommen und kommuniziert werden, bereits im Anfangsstadium angegangen werden. Das bedarf aber eines klugen Krisenmanagements und einer durchdachten wechselseitigen Kommunikation.

Damit solches gelingen kann, ist die Einschaltung von Mediation frühzeitig sinnvoll und zielführend. Denn es geht hier noch nicht darum, große Konflikte zu bewältigen und Rechtsfragen zu klären, sondern auf dem Boden der bestehenden Beziehungen eine Störung einvernehmlich und offen zu lokalisieren und zu beseitigen.

Natürlich bedarf es hierbei des Zusammenwirkens beider Partner in dieser Beziehung.

Wenn die Rechtslage klar ist, hilft das Gericht schnell – zu einem Vollstreckungstitel. Wenn sie nicht ganz so klar ist, wenn Beweisprobleme hinzu treten, wenn mehr auf dem Spiel steht, als der aktuelle Streitpunkt offenbart, dann ist Mediation ein geeignetes Mittel zur Konfliktbearbeitung und Bewältigung.

Sind digitale Formate in Beratung- oder Mediation ein Fluch oder Segen?

Über die Qualität und Zukunft von Online-Dienstleistungen im Bereich Mediation hat Jürgen Heim für MediationAktuell ein Interview mit Frau Dr. iur. Katarzyna Schubert-Panecka geführt. Sie ist Mitbegründerin der Forschungsgruppe Mediation (ForMed).

Das gesamte Interview gibt es hier zum Nachlesen:

Quelle: Digitale Beratungs- und Mediationsformate: Fluch oder Segen? | Fachartikel | Mediation aktuell

Über die Möglichkeiten, nicht nur in der aktuelle Krisensituation, sondern insgesamt moderne Telekommunikationsmittel auch in der Mediation und anderen alternativen Konfliktbearbeitungstechniken einzusetzen, habe ich schon öfters geschrieben.

Entscheidend für mich ist hierbei, dass die wesentlichen Grundlagen der vertrauensvollen Zusammenarbeit gewährleistet sein müssen. Neben der technischen Handhabbarkeit und Verfügbarkeit sind daher Datensschutz und Datensicherheit unabdingbar. Unter Umständen sind diese Angebote nicht unbedingt kostenfrei oder preisgünstiger. Dafür kann man sich aber der hohen Sicherheitsstandards sicher sein. Die Vertraulichkeit ist ein hohes Gut und Grundvoraussetzung dafür, dass übrhaupt eine Ebene geschaffen werden kann, auf der Konfliktklärung und Bewältigung überhaupt möglich erscheint.

 

Mediation und Alternative Streitbeilegung: wie eine Klagewelle nach der Krise vermieden werden kann

Die FAZ stellt heraus, wie Streitigkeiten, die infolge der Corona-Krise drohen, beigelegt werden können, ohne dass die Gerichte überfordert werden. Hierbei könnten Mediation und andere Formen der ADR wertvolle Hilfe leisten, geht es doch darum, die wechselseitigen Interessen vor dem veränderten Hintergrund der Pandemie ebenso zu berücksichtigen, wie die jeweiligen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume.

— Weiterlesen www.faz.net/einspruch/alternative-streitbeilegung-klagewelle-nach-der-krise-vermeiden-16714569.html

Corona und häusliche Gewalt: Gefangen auf engstem Raum

Existenzielle Not und Ausgangsbeschränkungen fördern Aggressionen. Es gibt zu wenige Ausweichquartiere – für Opfer wie für Täter.
— Weiterlesen www.sueddeutsche.de/politik/corona-haeusliche-gewalt-hilfe-1.4862320

Die Süddeutsche Zeitung beschreibt zutreffend ein Problem, dem man wegen Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing kaum zu entgehen vermag. Dabei ist aber auch daran zu denken, dass auch Hilfetelefone jetzt zu erreichen sind. Im Ernstfall helfen auch Polizei und Gerichte.

Eine Möglichkeit, solche Konflikte frühzeitig zu entschärfen, kann auch darin bestehen, Mediation oder alternative Konfliktbewältigung in Anspruch zu nehmen. Hierbei kann unter Zuhilfenahme moderner Kommunikationsmittel wie Telefonkonferenz oder Videokonferenz auch dann ein solches Verfahren durchgeführt werden, wenn die Beteiligten das Haus nicht verlassen können.

Dabei müssen die sensiblen personenbezogenen Daten ebenso geschützt werden, wie die Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes. Dies ist aber gleichzeitig der Vorteil einer professionellen Konfliktlösungsunterstützung im Gegensatz zu Versuchen, Hilfe von Freund*innen über WhatsApp, Facebook oder andere SocialMedia-Kanäle zu bekommen. Ein solches Vorgehen kann den Konflikt eher verschärfen denn befrieden.

Umgangsrecht in Zeiten von Covid-19: Corona ist keinGrund für Kindesentzug

Das Jugendamt von Friedrichshain-Kreuzberg gibt Empfehlungen, wie getrennt lebende Eltern, den Umgang weiter organisieren sollen.

Der Tagesspiegel hat sich der Thematik angenommen.
— Weiterlesen www.tagesspiegel.de/berlin/umgangsrecht-in-zeiten-von-covid-19-corona-ist-kein-grund-fuer-kindesentzug/25686790.html

Bei der Frage, ob und wie die Eltern mit dieser Situation umgehen können, ist es besonders wichtig, dass sich beide nicht nur ihrer Verantwortung bewusst sind, sondern auch die damit einhergehenden Problemstellungen einer einvernehmlichen Lösung zuführen können. Nur so können die Kinder den Umgang auch als unbeschwerte Zeit erleben können.

Damit dies gelingen kann, muss es den Eltern ermöglicht werden, ihre Interessen und Bedürfnisse auszutauschen und gegenseitig zu verstehen.

Dies kann durch Mediation gelingen, hierfür gibt es – nicht nur in Zeiten von Corona – auch die Möglichkeiten, moderne Kommunikationsmittel wie Telefon- oder Videokonferenz einzusetzen, ohne hierbei Einschränkungen in Bezug auf Vertraulichkeit und Datenschutz hinnehmen zu müssen.

Konflikte lösen – auch per Telefon

Wie soll das gehen, dass Konflikte auch per Telefon gelöst werden können, werden sich manche fragen. Dabei geht es nicht darum, am Telefon entnervt zu diskutieren, bis eine der Konfliktparteien die Verbindung beendet.

Moderne Konfliktlösungsunterstützung kann auch so funktionieren, ohne dass die Beteiligten zur selben Zeit sich auch am selben Ort aufhalten, sondern das Verfahren auch telefonisch durchgeführt werden kann.

Hierbei bieten sich zwei verschiedene Modelle an:
Zum Einen gibt es die klassische Telefonkonferenz, an der zu einem festgelegten Zeitpunkt die Konfliktparteien sich telefonisch austauschen. Dabei ist die Rolle des Mediators besonders bedeutsam: Gilt es doch, hier noch mehr als am runden Tisch, die Medianten zur Einhaltung der vereinbarten Regeln anzuhalten, dazuwischenreden zu unterbinden und gleichzeitig auch das wechselseitige Verständnis für die jeweiligen Bedürfnisse zu schärfen. Der Vorteil dabei ist, dass alle Beteiligten zeitgleich am Geschehen beteiligt sind. Damit kann man ein etwaiges wechselseitiges Misstrauen am Besten ausräumen.

Sollte die Telefonkonferenz nicht das Mittel der Wahl sein, bietet sich eine so genannte „ShuttleMediation“ an, bei der der Mediator abwechselnd das Gespräch am Telefon mit einer der beiden Konfliktparteien sucht und hierbei die wesentlichen Ergebnisse aus dem jeweils anderen Gespräch vorab mitteilt.

Beide Formen sind erprobte und geeignete Verfahren, um Konflikte einer Lösung zuzuführen, ohne dass die Beteiligten sich auch körperlich begegnen müssen. Nachteilig ist hierbei, dass sich die Kommunikation auf das gehörte und gesprochene Wort beschränkt, die nonverbale Kommunikation also zu großen Teilen nicht für den Konfliktlösungsprozess nutzbar gemacht werden kann. Soweit es um Visualisierungen, zu erstellende Listen, Brainstorming etc. geht, müssen andere erprobte digitale Mittel und Verfahren zum Einsatz kommen.

Beide Möglichkeiten – Telefonkonferenz und ShuttleMediation – biete ich in meiner Praxis an. Dabei werden die voraussichtliche Kosten einer Konferenz oder Telefonats vorab erhoben. Diese umfassen das vereinbarte Honorar für die vorab vereinbarte Zeit sowie etwaige Verbindungskosten. Bei den Konfliktparteien entstehen zusätzlich für die Telefonkonferenz Einwahlkosten und Verbindungskosten, die über die Telefonrechnung oder über das Prepaid-Guthaben direkt vom Anbieter abgerechnet werden. Bei Interesse stehe ich Ihnen für weitere Fragen hierzu gerne zur Verfügung.