Archiv der Kategorie: dies und das

Gefühle fühlen – was hat das mit Mediation zu tun?

Im Netz bin ich auf nachstehenden Artikel gestoßen:

Quelle: How to Feel Your Feelings and What That Will Do for Your Life

Wie man also lernt, Gefühle zu fühlen – und was das mit einem machen kann. Dieser Text ist eher psychologisch und selbstreflexiv gehalten. Es ist so etwas wie eine kleine Handreichung, sich selbst ein Stück weit besser kennen zu lernen und mit seiner Gefühlswelt umgehen zu lernen.

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Dabei ist das Versprechen, dass die Überschrift suggeriert (How to do this and that – auf der einen Seite und das What That Will Do for Your Life – auf der anderen) nur ein Aufhänger, sich darüber Gedanken zu machen, wie Gefühle – und das Fühlen von Gefühlen – in der Mediation eingesetzt werden kann.

Mediation ist eines bestimmt nicht: eine therapeutische Veranstaltung.

Aber es geht darum, einen Konflikt in seiner Vielschichtigkeit zu klären und Bedürfnisse im Zusammenhang mit diesem zu artikulieren. Da sind – anders wie bei rein sachorientierten Lösungsoptimierungen – Gefühle nicht nur ein wichtiger Gradmesser, sondern auch ein Teil der Persönlichkeit, der bei der Klärung und Lösung nicht unterdrückt sein mag – sondern seinen Platz und seine Berechtigung hat.

Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt: Kann der Mediant/die Mediantin an dieser Stelle seine/ihre Gefühle fühlen. Sind diese echt oder überlagert von einem Schmerz oder einem Verlangen oder sonst was? Sind verbale Äußerung und nonverbale Kommunikation in sich stimmig – und wie fühlt sich das für die betroffenen Menschen in dem Moment an?

Das kann in die Tiefe der verschiedenen Persönlichkeits- und Konfliktebenen gehen, und man muss den Mediant*innen auch den Weg eröffnen, hier wieder herauszukommen.

Aber ein kluges Handling auch der Gefühlswelt – und hierbei die Ermutigung, tatsächlich Gefühle zu fühlen und ihnen nachzuspüren – vermögen der Konfliktlösung wichtige Impulse bei der Lösungsunterstützung bieten.

Es ist dann zwar nicht das große Versprechen: What That Will Do for Your Life! – aber das hat ja auch niemand behauptet. Es ist ein kleiner, aber wertvoller Baustein bei der Lösung von Problemsituationen.

Rumpelstilzchen? Namensrecht

„Heute back ich – morgen brau ich, übermorgen hole ich der Königin ihr Kind, ach wie gut dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“

Dieses Lied aus dem Märchen ist wohlbekannt – und man erinnert sich daran, wie die junge Mutter verzweifelt sich daran machen musste, den Namen dieses vormaligen Helfers aus der Not zu erraten.

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Der Name prägt den Menschen, er begleitet ihn sein Leben lang. Deswegen kommt es auch immer wieder zu namensrechtlichen Auseinandersetzungen, weniger um den Vornamen, als um den Familiennamen. Dies muss insbesondere dann gelten, wenn bei einer Eheschließung ein gemeinsamer Familienname begründet wird und die Ehe später in die Brüche geht – und dann Kinder aus einer anderen Beziehung zu denen aus der ersten Ehe dazu kommen. Oder, wenn bei der Geburt eines Kindes ein Nachname bestimmt wird, der später aber geändert werden soll, oder, wenn weitere Geschwister dazu kommen, sich aber andere Verhältnisse geändert haben….

Die Vielzahl der Möglichkeiten lässt auch die Vielzahl der Namenswünsche erahnen. Die Schwierigkeit besteht dann darin, diese Vorstellungen mit dem geltenden Namensrecht in Übereinstimmung zu bringen.

Bei solchen unterschiedlichen familienrechtlichen Konstellationen kann es durchaus vorkommen, dass Kinder, die zwar biologisch von denselben Eltern abstammen, nicht zwangsläufig auch den selben Geburtsnamen erhalten. Das Gesetz kennt hier eine Bindungswirkung der Namenswahl. Es stellt sich in diesem Zusammenhang dann aber die Frage, ob und wie weit eine solche Bindungswirkung in Bezug auf den Namen eines älteren Geschwisterkindes eintreten kann.

Eine weitere Fragestellung tut sich auf, wenn das Standesamt sich berechtigt fühlt, von Amts wegen eine Änderung des Familiennamens eines Kindes herbeizuführen.

Dabei stellt sich auch die Frage, ob im Verstreichenlassen einer gesetzlichen Frist durch die Eltern eine aktive Ausübung des Elternrechts gesehen werden kann. Kann also durch einfaches Nichtstun eine Rechtsfolge herbeigeführt werden und muss man sich dessen beim Verstreichenlassen bewusst gewesen sein?

Die Fragen um das Namensrecht berühren insoweit die grundgesetzlich garantierten Elternrechte aus Art. 6 GG sowie das Allgemeine Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 GG i.V.m. Art. 1 GG.

Ich habe hierzu für juris im AnwZert FamR 12/2020 Anm. 2 eine Darstellung der allgemeinen Rechtslage vorgenommen und in diesem Zusammenhang den Beschluss des BGH vom 13.11.2019 – XII ZB 118/17 in diesen Kontext gestellt.

jungle.world – »Unsere Leute sind fehlbar«

Martin Brandt von dem Jugendmagazin jungle.world aus Berlin hat mit mir ein Gespräch über das Berliner Antidiskriminierungsgesetz geführt, das in der aktuellen Ausgabe in die Rubrik „Small Talk“ Eingang gefunden hat:

Quelle: jungle.world – »Unsere Leute sind fehlbar«

Es war eine äußerst spannendes und sehr angenehme Unterhaltung, die wir am vergangenen Montag fernmündlich führten. Dabei haben wir uns natürlich noch über viel mehr unterhalten, als wie dann in das Heft gekommen ist. Ich hatte auf alle Fälle sehr viel Freude daran – und wünsche dem Heft alles Gute. Mein Dank gilt Martin Brandt und den Machern der jungle.world, dass Sie das Thema aufgenommen haben und wie Martin Brandt mit ein paar gezielten Fragen in den eigentlichen Kern der Auseinandersetzungen um dieses Gesetz  vorgestoßen ist und sehr interessiert und fundiert meinem Redestrom dazu gefolgt ist.

Natürlich hoffe ich, dass dieser kurze Text auch einen Beitrag zur Debatte, die nicht nur in Berlin mit außerordentlicher Heftigkeit geführt wird, leisten kann.

Einen längeren – und ziemlich juralastigen Text zu diesem Gesetz habe ich schon für PolizeiGrün e.V. geschrieben, der ist hier auf deren Homepage veröffentlicht ist, zusammen mit einem sehr lesenswerten Text zum selben Thema des ersten Vorsitzenden, Oliver von Dobrowolski. Dort steht auch eine pdf-Version mit Quellennachweisen zum Download bereit.

Der neue „Scheinwerfer“ ist da!

Die neueste Ausgabe des Magazins gegen Korruption – „Scheinwerfer“, das von Transparency International Deutschland e.V. herausgegeben wird, ist erschienen und steht hier zum download bereit.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung hatte sich das Redaktionsteam dazu entschlossen, anstelle des eigentlich vorgesehenen Schwerpunktthemas „Sport“ dieses Heft den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Korruption in den verschiedensten Formen zuzuwenden.

Ich durfte zwei kleinere Beiträge hierzu liefern:

Zum Einen geht es um eine Forderung aus den Reihen der Grünen im Deutschen Bundestag, die sich mit dem Aufbau des Wettbewerbsregisters befasst. Nach deren Auffassung müsste dieses Register, damit es auch effektiv arbeiten könne, mit mehr Personal ausgestattet werden. Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Katharina Dröge, sieht sich damit in guter Gesellschaft mit dem Kartellamtschef Mundt.

Hintergrund ist, dass das Wettbewerbsregister zu mehr Transparenz bei Vergaben führen soll. Die zentrale Speicherung von Unternehmen, die wegen bestimmter Verstöße belangt worden sind, soll dazu führen können, dass diese wegen der dortigen Listung von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden könnten.

Die jetzt angestoßene Debatte um die Personalausstattung dieser Registerbehörde ist nur ein Punkt, wenn es um dieses Register insgesamt geht. An dieser Stelle wird bestimmt noch einiges an Überlegungen folgen.

Der zweite Beitrag richtet seinen Blick auf den Schattenfinanzindex. Dieser bildet Intransparenz und Steuervermeidungsmöglichkeiten in den einzelnen Ländern ab. Je höher das Ranking, umso intransparenter und steuervermeidbarer sind die Umstände im jeweiligen Land. Die Liste wird demzufolge nicht von den Ländern angeführt, die sich durch besondere Transparenz und das Stopfen von Steuerschlupflöchern besonders hervortun – solche finden sich dann am Ende der Tabelle.

Ein Abrutschen auf dieser Tabelle bedeutet also, dass sich die diesbezüglichen Umstände in einem Land verbessert haben. Deutschland hatte sich nun von Rang 7 auf Rang 14 verbessert. Gelungen ist dies durch die Umsetzung einer EU-Richtlinie zur Geldwäsche und der Einführung des öffentlichen Transparenzregisters. Allerdings gibt es durchaus noch Ansatzpunkte zu weiterer Verbesserung: Das Netzwerk Steuergerechtigkeit hatte insbesondere die Immobiliarwirtschaft ausgemacht, wo es nach wie vor relativ einfach möglich ist, Immobiliengeschäfte zur Geldwäsche zu nutzen.

Wie Mediation funktionieren kann..

Das ist das Thema eines Artikels auf den Seiten der Harvard Law School:

Quelle: How Mediation Works When Both Parties Agree They Need Help Resolving the Dispute – PON – Program on Negotiation at Harvard Law School

Wenn beide Konfliktparteien darin übereinstimmen, dass sie bei der Lösung ihres Konflikts externe Hilfe in Anspruch nehmen sollten, dann ist Mediation ein sicherlich brauchbares Hilfsmitteln hierzu.

Weil eine gerichtliche Entscheidung eben Gewinner und Verlierer zurücklässt, ein dahinter liegender Konflikt aber auch vielschichtiger sein kann, ist die zuerst genannte Erkenntnis ein erster, aber wichtiger Schritt.

Interessant an dem genannten Artikel ist auch, dass er nicht nur darüber belehrt, wie gut und richtig und wichtig Mediation ist – hiervon gibt es wahrlich mehr als genügend davon – und schließlich preist jeder Krämer seine Ware.

Hier wird das – im Übrigen auch in der Mediation zur Anwendung kommende – Instrument des Perspektivwechsels eingesetzt und aus der Sicht der Medianten eine Problemstellung nebst passenden Lösungstipps vorgestellt.

Nur wenn zu Ende im Beispiel der Mediator seine Rolle als allparteilicher Vermittler, der die Parteien zu einer eigenständigen Lösung anleitet und unterstützt, verlässt, ist m.E. Kritik angebracht: Der Mediator soll gerade nicht „Vergleichsvorschläge“ unterbreiten oder ins Spiel bringen, sondern die Konfliktparteien darin unterstützen, selbst am Ende ein Ergebnis zu erarbeiten. Wenn im Artikel also steht:

„The mediator proposes that you accept $1.5 million, along with various other commitments from the manufacturer.“

…dann ist das mit einer guten mediativen Praxis nicht vereinbar.

„A mediator doesn’t propose anything“

wäre die richtige Antwort gewesen.

Nachbarschaftsstreit – kann Mediation eine Lösung anbieten?

Louisa Weinstein vom Conflict Resolution Centre in London hat sich dieser Frage genähert und 5 Gründe aufgezeigt, warum Mediation in Nachbarschaftskonflikten helfen kann.

Quelle: Neighbour disputes: 5 reasons mediation can help?

Die von ihr angeführten Gründe gelten nicht nur im Vereinigten Königreich, sondern können auch auf die Situation in Deutschland übertragen werden. Dabei muss man sich aber vergegenwärtigen, dass das englische Rechtssystem und das englische Gerichtsverfahrensrecht mit dem hiesigen kaum Gemeinsamkeiten bietet. Grundverständnisse, Verfahren und Zugänge zum Recht sind dort anders, als wie bei uns gewohnt. Dies spielt insbesondere dann, wenn die englischsprachigen Quellen sich über die Vorteile von Mediation gegenüber dem Gerichtsverfahren auslassen, eine nicht unerhebliche Rolle.

Gleichwohl ist es im Nachbarschaftskonflikt so, dass ein solcher schnell eskalieren kann. Die Parteien haben täglich Gelegenheit dazu, den Konflikt neu anzuheizen. Die räumliche Nähe führt dazu, dass Verhaltensweisen zunehmend kritisch beäugt werden und zu „Gegenschlägen“ ausgeholt werden kann.

Hinzu kommt, dass die Konfliktparteien nicht nur während einer Verfahrensdauer, die sich auch bei schnellen Gerichtsverfahren durchaus in die Länge ziehen kann, abgesehen von der Möglichkeit, dass das Ganze noch in eine zweite Instanz geht, auf- und nebeneinander sitzen und sich gegenseitig aushalten müssen. Vielmehr wird diese Situation auf engem Raum solange aufrecht erhalten bleiben, bis eine der Parteien wegzieht.

Dabei muss man beachten, dass man vielleicht einen Prozess gewinnen kann, für sich genommen kann sich so etwas als Pyrrhus-Sieg erweisen, denn auf der anderen Seite sitzt einem nun ein Verlierer gegenüber. Das dient selten der Befriedung, sondern kann Rachegelüste eher befeuern, denn dämpfen. Der Sieg oder die Niederlage in einem Rechtsstreit kann hier eben nicht die Situation in Gänze befrieden, sondern eine Etappe in einem vielschichtigen Konflikt unter Rechtsgesichtspunkten entscheiden. Selbst ein Vergleich im gerichtlichen Verfahren bedeutet im ersten Moment, wenn dies nicht mit flankierenden Maßnahmen versehen wird, in der Regel nicht mehr als wie einen Burgfrieden.

Mediation dauert zwar auch seine Zeit, in der Regel können aber bei Verständigung auf das Verfahren kurzfristig erste Termine vereinbart werden, Folgetermine schnell un dunkopmpliziert abgesprochen werden.

Dabei ist wichtig, dass die erste Sitzung auch dafür da ist, die Parteien an ihren Positionen abzuholen, gleichzeitig aber auch Abrüstungsverhandlungen einzuleiten. Es geht nicht darum, einer Partei ein Fehlverhalten nachzuweisen, das sanktioniert werden muss. Es geht auch nicht darum, sich dem Gift eines Whataboutism hinzugeben und in die Eskalationsspirale einzusteigen. Schließlich muss auch nicht der schlimmste Part ermittelt werden.

Wichtig ist vielmehr, dass die Konfliktparteien an ihrer derzeitigen Situation abgeholt werden und zügig die wechselseitigen Bedürfnisse kommuniziert werden können.
Es geht im Kern darum, den Blick auf eine Zukunft des sich nebeneinander Ertragens zu öffnen. Dieser Blick nach vorne zunächst als Vision muss erst geöffnet werden, um den Bedürfnissen dann Ziel und Richtung zu geben.

Wenn dieser Prozess erst einmal eingeleitet ist, kann dies mit einem „Waffenstillstand“ unterstrichen werden.

Letztlich hat also Mediation das Werkzeug, einen Nachbarschaftskonflikt auch nachhaltig und in die Tiefe gehend zu bearbeiten. Dabei dürfte der erste Schritt zwar der schwerste sein, man sollte aber nicht warten, bis das Kind so tief in den Brunnen gefallen ist und eine Verständigung kaum noch möglich. Frühzeitige Krisenintervention hilft.

Schließlich geht es um die eigene Lebensqualität für die nächsten Jahre oder gar Jahrzehnte.

Die apokalyptischen Reiter und das Internet

Dr. Holger Plank hat den neuen Sammelband „Cyberkriminologie“, der von T.G. Rüdiger und P.S. Bayerl herausgegeben wurde, rezensiert.

In seinem gelungenen Beitrag, der auf den Seiten des Polizei-Newsletters veröffentlicht wurde, geht der Rezensent auch auf den von mir verfassten Aufsatz „Das Internet ist kein (grund-)rechtsfreier Raum“ auf den Umstand ein, dass die Hoffnung auf die Selbstregulierungskräfte im Netz und das Vertrauen in die freiwillige Mitwirkungsbereitschaft der Internetgiganten aufgrund deren monopolisierter Machtfülle nur in den seltensten Fällen wirklich funktionieren könne. Dabei habe ich in meinem Text die These vertreten, dass diese wiederum nur durch das Recht selbst zu begrenzen sei. In diesem Zusammenhang weist Holger Plank auch auf das Buch von Scott Galloway, „The Four – Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google“ hin. Darin waren diese Konzerne als „Die vier apokalyptischen Reiter“ des Internetzeitalters bezeichnet. Allein schon diese Bezeichnung ist geeignet, Angstgefühle auszulösen, verbindet sich mit dem Begriff der Apokalypse eine Vorstellung des Weltenendes.

Ein Grund also, sich nochmals näher mit dem textlichen Hintergrund, auf den sich Galloway bezieht, zu beschäftigen

Vorangegangen ist diesem Text der Offenbarung des Johannes, der als Sendschreiben an sieben Gemeinden adressiert ist, die Einleitung zu einer prophetischen Schilderung, in der äußerst bildreichen dargestellt wird, wie nacheinander die sieben Siegel an einer „innen und außen beschriebenen“ Buchrolle durch das Lamm geöffnet werden. Dadurch nimmt die Apokalypse ihren Gang. Schon das Bild des Buches mit den sieben Siegeln weist auf deren eigentliche Unzugänglichkeit hin. Wenn das siebente Siegel gebrochen ist, ist das Ende der Welt gekommen.

In der Lutherbibel (2017) liest sich die maßgebliche Stelle folgendermaßen:

(Ich zitiere nach der Seite http://www.bibleserver.com)

„1 Und ich sah, dass das Lamm das erste der sieben Siegel auftat, und ich hörte eines der vier Wesen sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! 2 Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm wurde eine Krone gegeben, und er zog aus sieghaft und um zu siegen. 3 Und als es das zweite Siegel auftat, hörte ich das zweite Wesen sagen: Komm! 4 Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein großes Schwert gegeben. 5 Und als es das dritte Siegel auftat, hörte ich das dritte Wesen sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 6 Und ich hörte etwas wie eine Stimme mitten unter den vier Wesen sagen: Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen; aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden! 7 Und als es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme des vierten Wesens sagen: Komm! 8 Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: der Tod, und die Hölle zog mit ihm einher. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit Schwert und Hunger und Tod und durch die wilden Tiere auf Erden.

Diese vier Reiter sind also diejenigen, die dieses Ende der Welt eröffnen, jedem einzelnen ist bei der Vorbereitung dieses Endes eine besondere Rolle zugedacht.

Im übertragenen Sinne bedeutet das also in Bezug auf unseren Gegenstand so viel, als dass diese vier Internetgiganten nach- oder miteinander das Ende der Welt, so wie wir sie kennen, einläuten. Hierbei kommt es weniger darauf an, welche der biblischen Rollen dem jeweiligen Konzern zuzuschreiben ist, als darauf, dass, wenn das Geschehen seinen ungehinderten Lauf nimmt, zum Schluss das „Ende“ da sein wird.

Hierbei bleibt aber zu bedenken, dass die digitale Welt sich nicht in einem unaufhaltsamen und unumkehrbaren Prozess befindet, der letztlich den Zusammenbruch der analogen Zivilisation zur Folge haben muss. Richtig ist allenfalls, dass die Regeln, die in der analogen Welt Geltung beanspruchen, nicht ohne weiteres in der virtuellen Umgebung rezipert und anerkannt werden. Diese Reiter, um beim Bild zu bleiben, sind nicht die Vorboten der endgültigen Zerstörung, aber sie nehmen sich, was sie sich nehmen können, solange und weil sich ihnen keine entschiedene Instanz entgegenstellt oder sich ihr entgegenstellen kann. Gerade wenn auf die Kräfte vertraut wird, die das Wachsen dieser Giganten erst ermöglicht haben, können Selbstregulierung und freiwillige Mitwirkung nur soweit erfolgreich sein, als wie sie nicht den – aus Sicht der Giganten – übergeordneten Interessen entgegen stehen.

Noch ist es aber nicht zu spät, um dieser Entwicklung hilflos ausgeliefert zu sein. Um dem Recht auch im Virtuellen zu seiner Geltung verhelfen zu können, muss auch die grundrechtlich garantierte Schutzpflichtendimension des Staats ins Visier genommen werden. Das bedeutet, dass es nicht nur darum geht, (markt-)regulierend und beschränkend einzuwirken,sondern darum, den Menschen, die sich in der digitalen Welt bewegen, den staatlichen Schutz zukommen zu lassen, den sie brauchen, um ihre Persönlichkeit auch dort entfalten zu können, sich ungestört eine Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten zu können – um hier nur Beispiele zu nennen.

Der Sammelband „Cyberkriminologie“ ist bei VS Springer in Wiesbaden erschienen im Buchhandel erhältlich.

Print ISBN 978-3-658-28506-7 Online ISBN 978-3-658-28507-4

Als E-Book ist sowohl mein Aufsatz hier als auch das ganze Buch beim Verlag auf dessen Seiten zu beziehen.

Das Internet ist kein (grund-)rechtsfreier Raum

In dem neuen Buch „Cyberkriminologie“, das von Thomas Gabriel Rüdiger und Petra Saskia Bayerl herausgegeben wurde, durfte ich einen Beitrag dazu leisten, in dem ich die Grundrechtsfunktionen und die Anforderungen hieraus untersucht habe.

Grundrechte sind nicht nur Abwehrrechte gegen den Staat, sie formulieren auch Schutzpflichten, die der Staat gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern zu erfüllen hat.

In dem Kapitel „Das Internet ist kein (grund-)rechtsfreier Raum habe ich untersucht, wie diese Aufgabe auf die digitale Welt zu beziehen sein könnten. Hieraus wurden sodann Pflichten zur Rechtsetzung für den Gesetzgeber abgeleitet.

Im Text zeige ich, dass es nicht genügt, die staatliche Regulierung im Wesentlichen auf die Überwachung der den Unternehmen übertragenen Pflichten zu reduzieren. Als Fazit stelle ich schließlich den Bedarf an einer sichtbaren Präsenz der Polizei in den entsprechenden Online-Plattformen fest. Hierzu bedarf es meiner Meinung nach einfach zu bedienenden Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten. Eine abschließende Betrachtung nehmen rechtliche Rahmenbedingungen, die solche polizeilichen Maßnahmen flankieren müssten.

Die Anfänge für die Fragestellung liegen weit zurück: Bereits im Jahre 2001, und damit lange bevor das mobile Internet und die Sozialen Medien die moderne Gesellschaft prägen konnten, stellten sich Gerhard Vowe und Martin Emmer die Frage, ob es so etwas wie eine digitale Agora geben könne (Vowe und Emmer 2001).

Der Begriff war für die Zeit des Internet 2.0 gut gewählt: Die Agora war im antiken Griechenland nicht nur ein Marktplatz, sondern der zentrale Ort, an dem Meinungen kundgetan und diskutiert wurden. Sie war der Ort, an dem das Zusammenleben in der Polis organisiert und mitgestaltet wurde. So, wie damals das Internet die Interaktion zwischen den Nutzer*innen für sich entdeckte, ist dieser Platz heute auch in der digitalen Welt fest verankert.

Das Kapitel kann auf den Seiten des Springer-Verlages hier – kostenpflichtig – heruntergeladen werden.

So sehr mich die download-Zahlen für mein Kapitel freuen, möchte ich doch dazu raten, den – im Verhältnis ohnehin sehr geringen – Aufpreis für das ganze Buch in Erwägung zu ziehen. Hier finden sich weitere tolle Beiträge von hervorragenden Kolleginnen und Kollegen.

Der link zum E-Book findet sich hier:https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-28507-4

Das Buch ist auch gedruckt erschienen.

Ich möchte an dieser Stelle noch auf die Rezension des Kollegen Dr. Holger Plank im Polizei-Newsletter hinweisen:

Rezension im Polizei-Newsletter

Dr. Holger Plank hat für den Polizei-Newsletter eine sehr engagierte Rezension über den neuen Sammelband „Cyberkriminologie“, der von Thomas-Gabriel Rüdiger und Petra Saskia Bayerl jetzt herausgegeben wurde, geschrieben.

Man merkt dem Rezensenten nicht nur das Herzblut für die Bandbreite der im Band versammelten Themen an, sondern auch die Freude und Dankbarkeit darüber, dass die Herausgeber dieses Werk in kurzer Zeit von der Idee bis zur Realisierung publizieren konnten.

— Weiterlesen polizei-newsletter.de/wordpress/

Cyberkriminologie

Bei Springer VS in Wiesbaden ist jetzt ein Sammelband zur neuen Wissenschaftsdisziplin Cyberkriminologie erschienen, zu dem ich auch ein Kaptitel beisteuern durfte.

Die Herausgeber
Die Herausgeber dieses Sammelbandes sind ausgewiesene Expterten für digitale Räume:

Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger ist als Cyberkriminologe und Dozent am Institut für Polizeiwissenschaft der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg tätig.

Petra Saskia Bayerl ist Professorin für Digitale Kommunikation und Sicherheit am Centre of Excellence for Terrorism, Resilience, Intelligence and Organised Crime Research (CENTRIC) an der Sheffield Hallam University, UK.

Können bisherige kriminologische Theorien und Erkenntnisse auf die Regeln des digitalen Raumes übertragen werden? Dieses Buch vereint Beiträge von Autoren aus verschiedenen Bereichen der Kriminologie und anderen Kriminalwissenschaften, die dieser wichtigen Frage aus unterschiedlichen Perspektiven nachgehen. Damit zeichnet dieses Buch aktuelle Entwicklungen im Bereich digitaler Delikte und digitaler Polizeiarbeit nach und untersucht, inwiefern kriminologische Phänomene und Ansätze im digitalen Raum neu begriffen und gestaltet werden müssen im Sinne einer eigenen Cyberkriminologie.

Der Inhalt
Nach der Darstellung der Grundlagen der Cyberkriminologie wird die Phänomenologie von Kriminalität im digitalen Raum beleuchtet.- Neue und bekannte Kriminalitätsphänomene werden unter den besonderen Voraussetzungen, die im digitalen Raum gegeben sind, herausgearbeitet. Dabei werden sowohl Opferperspektiven als auch Täterperspektiven bei der Betrachtung eingenommen. Der Normenkontrolle und der digitalen Polizeiarbeit ist ein gesonderter Abschnitt gewidmet. Es geht darum, wir Bürger online mit der Polizei online in Verbindung treten können oder können sollten. Ein Abschnitt über die Methoden und Technologie

Die Zielgruppen
Das Buch richtet sich vornehmlich an Dozierende, Studierende und Forschende der Sozial-, Rechts- und Kriminalwissenschaften sowie an Fach- und Führungskräfte bei der Polizei und Justiz.

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich, als E-Book kann es hier erworben werden.

DOI https://doi.org/10.1007/978-3-658-28507-4

Print ISBN: 978-3-658-28506-7

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