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Trennung – und das „with dignity“? – welche Rolle Mediation hierbei spielen kann

„How to divorce with dignity“ – so ist diese Seite im MMB Magazine überschrieben:

Quelle: How to divorce with dignity with Stowe family Law and MMB Magazine

Dieser Ratgeber bewegt sich – natürlich – auf dem Boden des Rechts des Vereinigten Königreichs, wird das Magazin doch ebendort in Mittelengland verlegt. Deswegen sind diese Hinweise nicht 1:1 auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Dies liegt aber am jeweiligen Verfahrensrecht in Familiensachen in den jeweiligen Ländern im Allgemeinen – und am materiellen Familienrecht im Besonderen.

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Soweit der Text aber von „Würde“ spricht – hat er offensichtlich als Gegenpart würdelose Trennungen im Auge, also Rosenkriege in all ihren Facetten und Spielarten.

In diesem Text findet Mediation auch eine wichtige Erwähnung, sie ist dort eingebettet zwischen die Wahl der/des richtigen Anwalts/Anwältin und dem Versuch eines kollaborativen Verfahrens.

Dabei hat die Mediation in Familien- und Trennungskonflikten doch einen eigenständigen und vom eigentlichen Verfahren losgelösten Reiz:

Und dieser hat etwas mit der angesprochenen Würde – der „dignity“ zu tun. Die eigene Würde in einem Trennungskonflikt hat immer zwei Richtungen: Die Sorge um die Bewahrung und des Schutzes der eigenen Würde und die Verpflichtung, die Würde des Gegenübers zu achten und zu wahren. Während die Bewahrung und der Schutz der eigenen Würde äußerst fragil ist, weil die Achtung seitens des Gegenübers nicht gesichert ist, ist die Verpflichtung dem Gegenüber seine Würde zu wahren, angesichts der vielleicht erlittenen Verletzungen und seelischen Wunden aus diesem Konflikt eine Aufgabe, die im Widerstreit zur ersten stehen mag.

Dieses gilt im Trennungskonflikt vice versa für beide Konfliktbeteiligten gleichermaßen. Und es kann und darf nicht angenommen werden, dass dies bei Paaren, die sich in Mediation begeben, eine Selbstverständlichkeit ist.

Die Frage, ob und wieweit man sich in diesem Prozess Vertrauen entgegenbringen mag, muss daher immer neu gestellt und neu beantwortet werden. Nur, wenn für den zu bearbeitenden Punkt ein Grundvertrauen hergestellt ist, kann die Würde selbst thematisiert werden. Dabei geht es nicht nur um wechselseitige Achtung und Anerkennung, sondern auch um die Fragen, wie und mit welcher Zielrichtung die Konfliktklärung betrieben wird. Die Sprache und die nonverbale Kommunikation sind dabei wesentliche Handlungsmittel, auf die geachtet werden müssen. Aber auch Botschaften, die auf einer Meta-Ebene transportiert werden, wollen dechiffriert und kontextualisiert sein.

Beide Mediant*innen brauchen daher einen doppelten Schutz: Die Sicherheit, dass das Setting in der Mediation Bewahrung und Schutz für jeweils sich selbst bietet – und die Gewissheit, dass bei der Verpflichtung zur Wahrung der Würde des jeweiligen Gegenübers eine Unterstützung angeboten und erteilt werden wird.

Das ist die große Herausforderung für mich als Mediator: Die Allparteilichkeit auch auf diese höchstpersönlichen aber wichtigen Aspekte zu erstrecken und damit den Boden erst zu bereiten, für die Beteiligten ein Klima zu schaffen, in dem sie würdevoll und selbstbewusst ihre Bedürfnisse artikulieren und am Ausgleich der wechselseitigen Bedürfnisse arbeiten können – um so am Ende zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Eine würdevolle Trennung gelingt dann, wenn die eigene Sphäre geschützt und der Blick insgesamt geweitet ist.

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Neue Studie: Elternkonflikt und Kindergesundheit

Im Netz habe ich den Hinweis auf eine neue Studie aus Arizona gefunden, wonach Konflikte zwischen Eltern in Trennungs- oder Scheidungssituationen das Risiko bei den betroffenen Kindern, psychische und physische Erkrankungen  zu erleiden, drastisch erhöhe.

Quelle: Study: Conflict between divorced parents can lead to mental health problems in children | ASU Now: Access, Excellence, Impact

Dies ist nun zwar keine wirklich neue Erkenntnis, sie unterstreicht aber auch, dass Kinder in Trennungs- und Scheidungskonflikten besonderen Gefahren ausgesetzt sind.

Die Ergebnisse aus Arizona lassen sich, bei allen kulturellen Unterschieden und dem völlig anderen Rechtsverständnis und Rechtssystem des anglo-amerikanischen Rechtssystems durchaus auch auf Mitteleuropa übertragen.

Dabei haben wir zwar bereits ein installiertes System, das sich den Bedrohungen des Kindeswohls annehmen kann und Hilfen zur Erziehung bis hin zu stationären Angeboten zur Abwendung einer Gefährdung des Kindeswohles anbietet.

Auch bietet das Verfahrensrecht des FamFG gerade in Kindschaftssachen viel Handlungsspielräume.

Entscheidend ist und bleibt aber, ob und wie es gelingen kann, die vom Trennungs- oder Scheidungskonflikt betroffenen Eltern es zu ermöglichen, tatsächlich Eltern zu bleiben.

Dazu gehört mehr, als der Wille, dieses auch zu wollen – oder die Kinder aus dem Konflikt herauszuhalten, oder das nach eigener Meinung Beste tun zu wollen.

Hierzu gehört vor allem die Befähigung dazu, die veränderte Lebenssituation und damit auch die veränderte Rollenzuschreibung anzuerkennen und darauf aufbauend die neue Elternrolle auch neu zu definieren. Vater oder Mutter bleiben nach Trennung ist eben ein vielfaches mehr, als die bisherige Rolle fortzuführen unter Wegfall des anderen Elternteiles.

Damit ein solches aber gelingen kann, braucht es zweierlei: Die Weitung des Horizontes in der konkreten Situation über die eigene Betroffenheit hinaus und damit die Anerkennung der Betroffenheit der Kinder – und die Fähigkeit, den Rollenwechsel und die Neuzuschreibung der Elternrolle bei sich und dem anderen Elternteil gleichermaßen anzuerkennen und wertzuschätzen.

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Gerade der oftmals gut gemeinte Vorsatz, die Kinder aus dem Konflikt herauszuhalten, führt dazu, dass deren Sorgen und Nöte nicht als solche erkannt werden und die Kinder daran leiden und erkranken können.

Bei den Fragen um Ausübung der elterlichen Sorge, des Umgangsrechtes der Kinder und der materiellen Absicherung der Kinder durch den Kindesunterhalt geht es eben weniger um die Rechtspositionen der Eltern, sondern um eine verantwortungsvolle Behandlung der geschützten Positionen der Kinder und deren Wahrnehmung und Ausgestaltung.

Dies kann in Mediation und alternativen Konfliktlösungsinstrumenten gelingen, weil hier auf kommunikativem Wege die Vielschichtigkeit der Problematik und dem Anerkennen der Kinder als betroffene Beteiligte eines Konfliktes, an dem sie nichts ändern und nichts zu ihren Gunsten verbessern können, bearbeitet.

Dieser Weg ist sicherlich nicht einfach und bestimmt anspruchsvoll. Die Gesundheit der Kinder sollte es den Eltern allemal wert sein, nichts unversucht zu lassen, in Wahrnehmung der Elternverantwortung das Bestmögliche bieten zu können, was die Situation ermöglichen kann.

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Fünf Argumente, die für Mediation bei Trennung und Scheidung sprechen

Die nachstehende Seite befasst sich zwar mit den Vorteilen, die es mit sich bringt, wenn man in Bloomington (IL) sich im Trennungskonflikt in Mediation begibt.

Quelle: 5 Benefits of Choosing Divorce Mediation in Bloomington, IL

Die hier genannten Überlegungen reichen aber grundsätzlich über die US-amerikanischen Verhältnisse hinaus und können auch für Menschen, die in Deutschland von Trennung und/oder Scheidung betroffen sind, Geltung beanspruchen.

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An erster Stelle wird privacy genannt: Die Vertraulichkeit ist ein unverzichtbares Element aller Konfliktlösungsprozesse. Was in der Mediation besprochen wird, bleibt unter den Medianten und dem Mediator höchst vertraulich. Dieses gegenseitige Vertrauen ist wichtig, damit hier alle Tatsachen auf den Tisch kommen können, die zur Konfliktlösung wichtig sind. Gleichzeitig hilft die Vereinbarung der Vertraulichkeit, dass diese Tatsachen und offenbarten Daten nicht in einem etwaigen sich anschließenden gerichtlichen Verfahren verwendet werden können – sollte die Mediation nicht zum umfassenden Erfolg führen. Gerade dieser Umstand findet sich nicht immer im Bewusstsein der Konfliktparteien: Im streitigen Verfahren vor dem Gericht gelten die Regeln des FamFG, und damit auch die hierzu gehörigen Beweislastregeln. Das kann gerade in vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen vor Gericht zu erheblichen Schwierigkeiten führen. Durch die Vertraulichkeitsvereinbarung können also Gegenstände in die Mediation eingeführt und verhandelt werden, bei denen im gerichtlichen Verfahren die Behandlung mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein könnten.

Als zweites wird cost-effectiveness angeführt: Das Kostenargument findet sich immer wieder, wenn es darum geht, Vorteile der Mediation herauszustellen. Zur Ehrlichkeit und Wahrheit gehört aber auch, dass die Kosten für ein Mediationsverfahren in der Regel nach Stundensätzen berechnen. Im Gegensatz zu den Kosten und Gebühren nach Verfahrenswerten im gerichtlichen Verfahren (wenn dort keine Honorarvereinbarung getroffen wird) hängt also die Höhe der Kosten einer Mediation entscheidend davon ab, wieviel Zeit für das Verfahren gebraucht wird. Darüber hinaus fallen bei einer erfolgreichen Mediation gegebenenfalls auch noch die Kosten für die notarielle Beurkundung einer Scheidungsfolgenvereinbarung an – und schließlich bedarf es für den Ausspruch der Scheidung immer noch eines gerichtlichen Verfahrens (das aber dann schlanker und mit geringeren Verfahrenswerten und unter Umständen nur einer anwaltlichen Vertretung geführt werden kann). Man muss sich aber immer vor Augen halten, dass die Mediation selbst auf dem Grundsatz der Freiwilligkeit beruht und daher von jeder Konfliktpartei jederzeit ohne weitere Angabe von Gründen beendet werden kann. Dann wären die bis dahin angefallenen Kosten „in den Sand gesetzt“.

An dritter Stelle folgt dann expediency: Der Grundsatz der Zweckmäßigkeit ist hier auch mit einem Zeitmoment versehen. Eine Mediation kann schnell gehen, wenn hier effektiv und zielgerichtet gearbeitet werden kann – und das ist durchaus eine Alternative zu unter Umständen langwierigen gerichtlichen Verfahren. Dabei ist zu bedenken, dass in einem etwa notwendigen sich anschließenden Scheidungsverfahren dann, wenn der Versorgungsausgleich durchgeführt werden muss, ohnehin mit einer Verfahrensdauer von mindestens einem halben Jahr zu rechnen ist. Auch in der Mediation gilt der Satz, den schon der Prophet Kohelet geprägt hatte: „Ein jedes Ding hat seine Zeit.“ Der entscheidende Vorteil im Mediationsverfahren ist darin zu sehen, dass die Mediant*innen jederzeit die Oberhoheit über ihr Verfahren in den eigenen Händen haben und Subjekte des Handelns in jeder Phase bleiben. Tatsächlich ist es durchaus auch so, dass, wenn zügig eine Vereinbarung über alle Scheidungsfolgen getroffen werden kann, eine Neuausrichtung des Lebens besser funktioniert und das sich anschließende gerichtliche Verfahren nur noch eine Formalie darstellt. Die Befreiung von den Belastungen der ungeklärten Fragen stellt daher den eigentlichen Vorteil der Zweckmäßigkeit dar.

Als vierter Punkt wird control genannt. Dies hängt mit der bereits oben dargestellten Rolle im Mediationsprozess zusammen: Die Parteien sind und bleiben die Akteure und damit die handelnden Subjekte im Verfahren. Mediation ist selbstbestimmt, ein gerichtliches Verfahren stellt dagegen immer eine Form der Fremdbestimmung – sei es durch das erkennende Gericht, das den Verfahrensgang durch entsprechende Verfügungen bestimmt, seien es die anwaltlichen Vertreter*innen, die durch ihre Verfahrensführung sich und ihre Beteiligten positionieren – dar.

Abschließendes Argument ist ease: Ob Mediation tatsächlich leichter und weniger belastend ist, liegt natürlich in der Hand der Medianten. Die Selbstbestimmtheit des Verfahrens und die Erfahrung, das eigene Schicksal selbst in die Hand genommen zu haben und eine Krise durch eigenes Zutun gemeistert zu haben, vermag dann zumindest nach Abschluss des Verfahrens ein hohes Maß an Zufriedenheit aufscheinen lassen. Auch dies hat natürlich wiederum mit der Selbstbestimmung zu tun: Selbst wenn ein Mediationsprozess anstrengend ist – und es ist auch davor zu warnen, dass es sich nicht um ein Wohlführverfahren handelt, Gefühlsausbrüche sind nicht selten und haben hier – anders als vielleicht im Gerichtssaal – durchaus ihre Berechtigung. Es kann psychisch sehr belastend sein, gegebenenfalls auch für beide an die Grenzen einer Erträglichkeit gehen: Aber es ist dann auch die Aufgabe des Mediators, hier behutsam das Verfahren zu steuern, sowohl den Gefühlen ihren berechtigten Raum zu geben, als auch der Reaktion hierauf. Die Vereinbarung von Umgangsregeln führt eben hier dazu, dass Belastungen kommuniziert werden können – und auch wahrgenommen. Deswegen ist es tatsächlich so, dass am Ende die Erkenntnis stehen kann: „mediation is a much easier, less stressful process“.

Die auf der Seite genannten Argumente sind also keineswegs so, dass sie unbestritten nur Vorteile aufzeigen: Jedes einzelne hat sein eigenes „für und wieder“ – zusammengenommen bleibt aber die Erkenntnis, dass der Weg, eine Trennung und/oder Scheidung über eine Mediation einer einvernehmlichen und selbstverantworteten Lösung zuzuführen, ein guter und lohnenswerter sein kann.

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Eltern bleiben – auch nach der Trennung

Im Internet bin ich auf einen Erfahrungsbericht gestoßen, der die Probleme des Eltern-Bleibens nach einer Trennung anschaulich beschreibt:
— Weiterlesen livebysurprise.com/2014/02/why-parenting-coordination-didn-work.html

Tatsächlich gibt diese Erfahrungsbericht tiefe Einblicke und Hinweise, was alles wo und wie falsch laufen kann. Tatsächlich erscheint es mir so, dass weder die Bedürfnisse der ehemaligen Partner hinreichend erörtert wurden, noch, dass die Kinder als Subjekte im Trennungskonflikt behandelt wurden.

Statt dessen wurden beide Konfliktparteien in einen Machtkampf getrieben, der sich in einem kleinteiligen Klein-Klein ergab: Bettzeit für die Kinder – dranhalten oder nicht – und warum nicht? klein beigeben? Etc. Etc. …

Was aber fehlt, ist, die Menschen in ihrem Konflikt in ihrer konkreten Situation abzuholen – die Perspektive zu wandeln, eine zukunftsfähige Option zu entwickeln. Solange sich beide Konfliktparteien aber noch in ihren kleinen Beharkungen verbunden sind und hierauf die Energie gelenkt wird, fehlt es an der Befähigung, tatsächlich Eltern bleiben zu kommen. Statt dessen geht es darum, dem anderen zu zeigen, der bessere Elternteil zu sein und dem anderen seine Unfähigkeit zu beweisen. Das aber enthält nur zerstörerische Energie, die letztlich den Kindern maximal Schaden zufügen kann.

Das ist eben auch eine Aufgabe in der Mediation: die Befähigung zum Eltern sein und Eltern bleiben zu unterstützen und wieder herzustellen. Dazu gehört, die Alltagskonflikte einzuordnen und die dahinter liegenden Bedürfnisse und Beweggründe zu erörtern.

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Mediation als Prozess zur Problemlösung

Prof. Lawrence Susskind hat sich in einem lesenswerten Beitrag mit einer weitergehenden Definition der Mediation angenommen:
— Weiterlesen www.pon.harvard.edu/daily/mediation/mediation-as-problem-solving/

Dabei geht er über die ansonsten vornehmlich in der angloamerikanischen Literatur verwendeten Unterscheidung zwischen gerichtlicher und alternativer Streitentscheidung hinaus und entwickelt einen eigenständigen Ansatz, der sich von der gerichtlichen Lösung deutlich unterscheidet.

Dadurch erreicht er einen Perspektivenwechsel auf die am Problem Beteiligten Menschen und deren Bedürfnisse.

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Konflikte in Familien – und die Wege, sie zu lösen

Nachstehend zitierte Seite hat eine ganze Menge Fragen zum Thema Konflikte in Familien aufgeschrieben – und die Autor*innen haben sich dabei auch Gedanken gemacht, wie diese Konflikte zu lösen sind

Quelle: Fighting Families – Discuss

Die eine Nachricht ist die: Es gibt nicht den Königsweg – und alle, die einen solchen anpreisen, bieten in Wirklichkeit einen Holzweg an.

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Es lohnt aber dennoch, sich diesen auf dieser Seite aufgeworfenen Fragen näher zu widmen.

Dabei muss man wissen, dass die Macher*innen dieser Seite nicht ganz unvoreingenommen sind, denn sie haben alle mehr oder weniger gute oder eher schlechte Erfahrungen mit dem traditionellen gerichtlichen Familienrechtssystem gemacht. Hinzu kommt, dass diese Erfahrungen offensichtlich im anglo-amerikanischen Rechtskreis gemacht wurden, der sich von den verfahrensrechtlichen aber auch materiellrechtlichen Grundlagen des Familienrechts deutlich unterscheidet.

Gleichwohl: Die Kernaussagen und die Fragen, die dorthin führen, können auch für die deutschen Verhältnisse Gültigkeit beanspruchen.

Es gilt also, zu hinterfragen, wer die Akteuere in diesem vielschichtigen System sind, von den Beteiligten über die betroffenen Kinder über die Eltern und Schwiegereltern und die Freund*innen bis hin zu den Anwält*innen und Richter*innen. Alle haben eine bestimmte Rolle in diesem System – und man darf keine dieser Genannten irgendwie vernachlässigen.

Das führt zur nächsten Fragestellung: Wie können die Beteiligten wieder die Oberhoheit über ihr Leben und ihr Schicksal wieder zurückerhalten – wie können sie selbst sich in der konkreten Situation einordnen – und wie können Sie mit beiden Füßen wieder auf den Boden kommen oder dort bleiben?

Wenn es also gelingen kann, die Beteiligten hier in einem geschützten Setting unter Anleitung und Begleitung eines allparteilichen Dritten – dem Mediator – zu begleiten, kann ein wesentlicher Perspektivwechsel erfolgen:

Die Beteiligten sind dann nicht dem Gefühl ausgesetzt, ohnmächtige Objekte in einem vielstimmigen Konzert vieler unterschiedlicher Interessen zu sein, sondern selbst diejenigen, die das Heft in der eigenen Hand behalten können.

Das ist aufgrund der Vielschichtigkeit familiärer Konflikte nicht einfach – und es bedarf daher einer guten und gründlichen Konfliktklärung und Konfliktbegleitung. Ein Königsweg ist das – siehe oben – nicht in jedem Falle. Und auch dann, wenn dieser Weg eingeschlagen wird, ist er nur dann erfolgsversprechend, wenn das Setting und das gemeinsame Vorgehen klar strukturiert und formalisiert ablaufen – aber die inhaltliche Ausgestaltung muss den jeweiligen individuellen Bedürfnissen angepasst sein.

Hier gibt es – abseits der gerichtlichen Auseinandersetzung von Ehewohnung über Haushaltsgegenstände, Kinder, Unterhalt und Vermögensauseinandersetzung  – viele alternative Möglichkeiten, die gemeinsam erörtert und erarbeitet werden können.

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Acht Faktoren, die eine Trennung oder Scheidung begünstigen können

Was sind die Faktoren, die eine Trennung oder Scheidung begünstigen können?

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Die nachfolgend zitierte Seite führt hier acht verschiedene Faktoren auf, die allesamt dazu beitragen können, dass eine Beziehung oder Ehe in die Brüche gehen könnte.

Quelle: 8 Things That Predict Divorce, According to Science | Science Times

Diese Daten beruhen auf verschiedenen wissenschaftlichen Erhebungen.
Was können wir daraus für Schlüsse ziehen? Es reicht sicherlich nicht aus, eine konkrete Trennungssituation an diesen Kriterien zu messen, um dann ein Urteil über das Schicksal der Betroffenen fällen zu können.

Aber gerade wenn es darum geht, Trennung und Scheidung in einem Mediationsprozess zu begleiten und deren Folgen einer Lösung zuzuführen, sind diese Erkenntnisse durchaus hilfreich. Die Verifizierung oder Falsifizierung dieser jeweiligen Annahmen aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen im Rahmen der Konfliktklärung kann dabei helfen, Brücken zu finden, auf denen ein wechselseitiges Verständnis in der konkreten Situation aufgebaut werden kann.

Denn entscheidend ist, dass der Konflikt umfassend geklärt werden kann und die jeweiligen Sichtweisen der Konfliktpartner*innen entsprechend dargestellt werden können und auch gewürdigt werden. Das stellt mitunter eine gewaltige Herausforderung dar – vorallem dann, wenn beide Konfliktparteien aus einem System kommen, wie in den beschriebenen Faktoren erläutert, und deswegen von sich aus die Sprache gar nicht auf diese Problemzone richten können.

Eine behutsame Klärung und Hinführung durch den Mediator kann hierbei helfen, einen gemeinsamen blinden Fleck aufzuhellen und damit den Weg für eine einvernehmliche Lösung zu bereiten.

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Großeltern – Umgang – Mediation

Nicht nur im Vereinigten Königreich, wie sich aus nachstehendem Beitrag ergibt:

Quelle: Grandparents Family Mediation Service Overseas UK and Europe

gibt es immer wieder Schwierigkeiten, wenn Großeltern ihre Enkelkinder nicht sehen können oder nicht dürfen.

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Nach deutschem Recht gibt es ein Umgangsrecht aus § 1685 BGB, die Hürden aus der unscheinbaren Vorschrift sind allerdings hoch:

§ 1685 Umgang des Kindes mit anderen Bezugspersonen

(1) Großeltern und Geschwister haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient.
(2) Gleiches gilt für enge Bezugspersonen des Kindes, wenn diese für das Kind tatsächliche Verantwortung tragen oder getragen haben (sozial-familiäre Beziehung). Eine Übernahme tatsächlicher Verantwortung ist in der Regel anzunehmen, wenn die Person mit dem Kind längere Zeit in häuslicher Gemeinschaft zusammengelebt hat.
(3) § 1684 Abs. 2 bis 4 gilt entsprechend. Eine Umgangspflegschaft nach § 1684 Abs. 3 Satz 3 bis 5 kann das Familiengericht nur anordnen, wenn die Voraussetzungen des § 1666 Abs. 1 erfüllt sind.

Die positiv festzustellende Dienlichkeit für das Kindeswohl stellt in den allermeisten Fällen eine Hürde dar, die in gerichtlichen Verfahren schwerlich oder kaum genommen werden kann.

Dazu kommt noch en Weiteres:

Wie bei anderen Umgangsverfahren auch ist selbst eine Entscheidung eines Gerichts das Eine, die Umsetzung in der Praxis das Andere – und der Phantasie und Kreativität sind oftmals keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, der anderen Seite ein Recht zu verwehren. Das mag man zwar bedauern, ist aber leider Realität. Die Vollstreckung aus einem Umgangstitel ist dann zwar der nächste, unvermeidbare Schritt – das kostet aber Zeit, Nerven und verbessert die Situation auch nicht unbedingt.

Die Regelung von Besuchs- und Umgangskontakten ist ein vielschichtiges Thema, bei dem die unterschiedlichsten Positionen und Bedürfnisse aufeinander prallen können. Das Rekurrieren auf tatsächliche oder vermeintliche gesicherte Rechtspositionen hilft aber hier nicht weiter: Was tatsächlich im Interesse der von dem Streit betroffenen Kindern liegt, müssen die Konfliktparteien miteinander nicht nur verhandeln, sondern auch übereinstimmend bejahen können.

Hierbei kann Mediation ein hilfreiches Intstrument sein: Sie bietet allen Beteiligten den geschützten Raum, den es braucht, um die Themen offen an- und aussprechen zu können. Sie bietet die Zeit, die es braucht, um die Bedürfnisse zu artikulieren und auszusprechen – ebenso, wie die Wahrnehmung solcher Bedürfnisse und die grundsätzliche Anerkennung auf der anderen Seite. Sie kann den Raum schaffen, den es braucht, Hinderungsgründe, Ängste, Befürchtungen zu transportieren, Instrumentalisierungen von Kindern zu vermeiden, Verfahren zu formulieren und den Blick zu wechseln: von den eigenen Interessen im Konflikt hin zu den Bedürfnissen der betroffenen Kinder.

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Rumpelstilzchen? Namensrecht

„Heute back ich – morgen brau ich, übermorgen hole ich der Königin ihr Kind, ach wie gut dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“

Dieses Lied aus dem Märchen ist wohlbekannt – und man erinnert sich daran, wie die junge Mutter verzweifelt sich daran machen musste, den Namen dieses vormaligen Helfers aus der Not zu erraten.

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Der Name prägt den Menschen, er begleitet ihn sein Leben lang. Deswegen kommt es auch immer wieder zu namensrechtlichen Auseinandersetzungen, weniger um den Vornamen, als um den Familiennamen. Dies muss insbesondere dann gelten, wenn bei einer Eheschließung ein gemeinsamer Familienname begründet wird und die Ehe später in die Brüche geht – und dann Kinder aus einer anderen Beziehung zu denen aus der ersten Ehe dazu kommen. Oder, wenn bei der Geburt eines Kindes ein Nachname bestimmt wird, der später aber geändert werden soll, oder, wenn weitere Geschwister dazu kommen, sich aber andere Verhältnisse geändert haben….

Die Vielzahl der Möglichkeiten lässt auch die Vielzahl der Namenswünsche erahnen. Die Schwierigkeit besteht dann darin, diese Vorstellungen mit dem geltenden Namensrecht in Übereinstimmung zu bringen.

Bei solchen unterschiedlichen familienrechtlichen Konstellationen kann es durchaus vorkommen, dass Kinder, die zwar biologisch von denselben Eltern abstammen, nicht zwangsläufig auch den selben Geburtsnamen erhalten. Das Gesetz kennt hier eine Bindungswirkung der Namenswahl. Es stellt sich in diesem Zusammenhang dann aber die Frage, ob und wie weit eine solche Bindungswirkung in Bezug auf den Namen eines älteren Geschwisterkindes eintreten kann.

Eine weitere Fragestellung tut sich auf, wenn das Standesamt sich berechtigt fühlt, von Amts wegen eine Änderung des Familiennamens eines Kindes herbeizuführen.

Dabei stellt sich auch die Frage, ob im Verstreichenlassen einer gesetzlichen Frist durch die Eltern eine aktive Ausübung des Elternrechts gesehen werden kann. Kann also durch einfaches Nichtstun eine Rechtsfolge herbeigeführt werden und muss man sich dessen beim Verstreichenlassen bewusst gewesen sein?

Die Fragen um das Namensrecht berühren insoweit die grundgesetzlich garantierten Elternrechte aus Art. 6 GG sowie das Allgemeine Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 GG i.V.m. Art. 1 GG.

Ich habe hierzu für juris im AnwZert FamR 12/2020 Anm. 2 eine Darstellung der allgemeinen Rechtslage vorgenommen und in diesem Zusammenhang den Beschluss des BGH vom 13.11.2019 – XII ZB 118/17 in diesen Kontext gestellt.

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Was genau ist Familien-Mediation?

Dieser Frage geht Marianna Lambrou auf der Seite von RaydenSolicitors nach:

Quelle: What is Family Mediation? | Rayden Solicitors

Un wieder einmal zeigt es sich: Für den erfahrenen Mediator gibts zwar nichts grundlegend Neues, aber sollte man deswegen diesen Text zur Seite legen und zur Tagesordnung übergehen?

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Es gehört doch gerade zum Wesen der Mediation, die Bedürfnisse der Mediant*innen zu ermitteln und auf dieser Basis weiter zu arbeiten. So gesehen ist ein Text, der im Wesentlichen Grundlagen vermittelt, die man als Mediator „drauf“ haben muss, aber ein gutes Beispiel dafür, wie ein Rollenwechsel in der mediativen Praxis aussieht:

Die Kollegin hat diesen Text ja nicht für ihre Kollegenschar geschrieben, sondern für Menschen, die sich in einem familiären Konflikt befinden. Diese stellen sich die Frage, wie es nun weiter gehen kann und weiter gehen soll. Anwaltsbesuch, auf Freund*innen hören, Mediation, Therapie…. Wir, die wir professionell von außen auf solche Konfliktlagen schauen, müssen uns immer wieder vergegenwärtigen, wie es in den Menschen, die Rat und Hilfe suchen aussieht und wo man diese Menschen abholen kann und muss, um an der Lösung des aktuen Konfliktes zu arbeiten.

Vor diesem Hintergrund müssen auch wir immer wieder die Frage danach, was Familienmediation eigentlich ist, neu beantworten:

Es ist so einfach nicht:

Mediation ist in erster Linie ein selbstverantwortetes und eigenständiges Verfahren, um eine Konfliktlage aufzulösen und eigenverantwortlich eine Lösung zu erarbeiten, die die eigenen Bedürfnisse und die des Konfliktpartners oder der Konfliktpartnerin so berücksichtigt, dass für alle Beteiligten gleichermaßen die bestmögliche aller Möglichkeiten erkannt und realisiert wird.

Da steckt zunächst ganz schön viel Verantwortung und Eigeninitiative drin. Das ist nicht ganz einfach, zumal dann, wenn in der konkreten Situation gerade viel, was an Halt und Stabilität vorhanden schien, in Frage gestellt sein kann.

Warum sollte man sich also so etwas antun?
Wo können die Vorteile liegen?

Diese Antworten fallen je nach Situation unterschiedlich aus: Allein die Kosten, die gerne ins Feld geführt werden, können es nicht sein, denn wenn das Mediationsverfahren scheitert, ist das Geld „in den Sand gesetzt.“ Geschwindigkeit, passgenaue Lösungen sind Vorteilspunkte. Was auch eine Rolle spielen kann, sind Fragen nach der Beweislast: Das ist ein Thema, dem sich „normale“ Menschen nur schwer zuwenden können, wer muss was vor Gericht unter Beweis stellen? Was kommt dabei heraus? Wie ist das mit Wertgutachten? Fragen, die im gerichtlichen Verfahren Zeit und Geld beanspruchen können und Ungewissheiten bis zum Ende offen lassen. Wer weiß schon, was ein Gutachten an Ergebnissen bringt?

Dann geht es auch um die Zeit nach dem Konflikt: Über die Kinder sind Eheleute über Jahre und zum Teil Jahrzehnte noch finanziell und sorgerechtlich aneinander gebunden. Wie will man hier den Blick nach vorne richten, wenn die Vergangenheit noch nicht aufgearbeitet ist?

Wenn solche Fragen im Vordergrund stehen, dann muss man sich vergegenwärtigen, dass der Mediator dann derjenige ist, der deswegen dazwischen zu schalten ist, weil die Fragen und die Sichtweisen der Konfliktparteien unterschiedlicher nicht sein können. Die gestörte Kommunikation muss über einen Kondensator und Katalysator wieder zum Laufen gebracht werden.

Das ist die eigentliche Kunst: Die Mediant*innen zu befähigen, ihre Eigenverantwotrung zu erkennen und dabei zu unterstützen, diese auch wahrnehmen zu können, Bedürfnisse zu artikulieren und andere Bedürfnisse als solche anzuerkennen. Einen Boden zu bereiten, auf dem dann die weitere Zukunft für jeden der Konfliktparteien aufgebaut werden kann, Verstrickungen zu lösen und das Ganze in einen rechtssicheren Rahmen zu geben.

Damit aber – und damit bin ich wieder am Anfang – ein solches gelingen kann, bedarf es auch dieser grundlegenden Informationen wie auf der zitierten Seite. Deswegen bin ich der Kollegin auch dankbar dafür!