Mediation und Unterhalt – Vereinbarungen

Wenn in Folge einer Trennung oder Scheidung auch Fragen des Unterhalts in einer Mediation behandelt und hier auch einer Lösung zugeführt werden, gibt es einige rechtliche Hürden zu beachten. Gleiches gilt natürlich auch dann, wenn bereits vor Eheschließung oder während der Ehe rein vorsorglich ein Ehevertrag aufgesetzt wird, der für den Fall der Fälle dann die zu relgenden Scheidungsfolgen schon im Voraus normiert.

Unterhalt

Problematisch wird es zudem, wenn es nicht um Unterhaltsansprüche zwischen den Beteiligten selbst geht, sondern wenn hier eine Regelung zum Kindesunterhalt getroffen werden soll und muss.

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass häufig Abfindungsbeträge für Unterhalt ausgehandelt und bezahlt wird oder dass etwas bezahlt wird, ohne dieses in der vertraglichen Vereinbarung genau oder näher zu bestimmen, und sich dann im Nachhinein die Frage stellt, ob es sich auch um eine Unterhaltsabfindung gehandelt haben könnte.

Zur rechtlichen Qualifikation eines Abfindungsbetrages zur Erfüllung künftiger Unterhaltspflichten für ein minderjähriges Kind hat das OLG Brandenburg in einem Beschluss vom 12.10.2021 Stellung bezogen. (Beschl. v. 12.10.2021 – 13 UF 64/18) Ich habe diese Entscheidung für AZOFAM von juris hier aufbereitet und besprochen.

Dabei sind hier gerade die Auswirkungen dieser Entscheidung für die anwaltliche Beratungspraxis – aber auch im Rahmen der Berücksichtigung, wie weit und in welcher Weise hier die Parteien in der Mediation überhaupt eine Verfügungsmacht über Rechtspositionen von Kindern haben können und wie dies dann auch tatsächlich rechtskonform zu handhaben ist, von großer Bedeutung.

Aufruf zur Friedensdemo in Sigmaringen

Ukraine

am Samstag, den 05.03.2022 in Sigmaringen

Vergangene Woche, am 24. Februar 2022, sind russische Truppen erneut nach 2014 in die Ukraine eingedrungen. Seither tobt hier ein entsetzlicher Krieg. Zahllose Menschen werden getötet, an Körper und Seele verletzt, bangen um ihr Leben, ihre Angehörigen und Freund:innen oder sind auf der Flucht. Familien werden getrennt.

Wir wollen ein Zeichen setzen und unsere Solidarität mit den Menschen, die Opfer dieses Krieges und seiner Folgen geworden sind und immer noch werden, zeigen.

Dabei trägt uns die Überzeugung, dass der Protest gegen diesen Krieg auch ein starkes Zeichen für den Frieden in Europa sein kann. Aufstehen gegen Gewalt isoliert Aggression und verurteilt die Missachtung von Völkerrecht und unteilbaren Menschenrechten aufs Schärfste.

Jeder Mensch, der in diesem Krieg sein Leben verliert, ist eine:r zu viel!

Jeder Mensch, dem hier körperliches Leid zugefügt wird, ist eine:r zu viel!

Jeder Mensch, der durch diesen Krieg traumatisiert wird, ist eine:r zu viel!

Jeder Mensch, der wegen dieses Krieges um einen anderen Menschen trauern muss, ist eine:r zu viel!

Jeder Mensch, der wegen dieses Krieges in Sorge um andere Menschen leben muss, ist eine:r zu viel!

Dieser Krieg ist ein Verbrechen gegen die Würde aller unmittelbar und mittelbar Betroffenen!

Die Demo findet statt am:

Samstag, den 05. März 2022

10:30 Uhr

Vier-Jahreszeiten-Brunnen, Schwabstraße, Sigmaringen

Polizei als Anlaufstelle bei Paarkonflikten

Über das Projekt in Mumbai, wonach die Polizeistationen als Anlaufstellen bei Paarkonflikten fungierten, habe ich bereits hier einmal kurz berichtet. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie effektiv mit den Problemen bei häuslicher Gewalt umgegangen werden sollte.

stop häusliche gewalt

Nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie war dieses Angebot fast gänzlich eingestellt worden. Nun hat die Hindustan Times einen Artikel veröffentlicht, dass diese Beratungszentren in allen Polizeistationen wieder eingerichtet werden sollen.

Quelle: Mumbai Police to restart counselling centres for couples at all police stations – Hindustan Times

Das ist eine grundsätzlich gute Nachricht.

Darüber hinaus ist daran zu denken, ob und wie solche Aufgaben sich in unser Verständnis von Polizei als Gefahrenabwehrbehörde einordnen lassesn könnten. Dabei ist insbesondere daran zu denken, dass es nicht nur darum geht, die Polizei dann zu rufen, wenn es tatsächlich zur Anwendung von häuslicher Gewalt geht. Auf der anderen Seite gibt es aber auch ein relativ gut ausgebautes Netz an Beratungsstellen und Institutionen, die mit familienrechtlichen Problemstellungen interdisziplinär bestens vertraut sind.

Polizei könnte hier aber als wegweisender Lotse fungieren, um bereits bei niedrigschwelligen Konfliktsituationen darauf hinwirken zu können, die Lage so zu entschärfen, dass es gar nicht erst zu Gewaltanwendungen kommen kann. Dabei ist entscheidend, dass hier die Polizei in einer objektiven Rolle wahrgenommen werden kann, in der es die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu schützen gilt und nicht als Partei, die mit der einen Hand schützt und mit der anderen als strafend wahrgenommen wird. (Der Gewaltenteilung zum Trotz – aber aus Sicht der Betroffenen ist der Unterschied zwischen einer verwaltungsrechtlichen Wohnungsverweisung, einer gerichtlichen Anordnung nach dem GewSchG oder einer Strafe wegen eines Körperverletzungsdeliktes oftmals eher akademischer Natur)

Wichtig ist, dass vertrauenswürdige und akzeptierte öffentliche Anlaufstellen bestehen, die den Betroffenen wichtige Hilfestellungen vermitteln können und hierbei auch unterstützend wirken können – auch und gerade ohne Angst vor etwaigen Sanktionen. Dabei kann auch bei uns die Polizei eine wertvolle Hilfe leisten.

Kinderbilder auf Social Media?

Kinderbilder in sozialen Medien – das ist immer wieder ein Grund für Diskussionen. Dabei ist zunehmend zu beobachten, dass der Selbstwert von Menschen vermehrt über den Status und die Aufmerksamkeit auf den jeweiligen Plattformen getragen zu sein scheint. Neben einem Austauschmedium haben die Plattformen und Messengerdienste auch dazu beigetragen, dass Kommunikation sich hier von einem wortbasierten Austausch von geschriebenen Inhalten vermehrt zu einem bildbasierten Austausch verschiebt. Auch textliche Inhalte werden daher zunehmend mit bildlichen, die eigentliche Botschaft verstärkenden Inhalten, ins Netz gestellt. Mit dem Netzwerk „Instagram“, das zum Meta- vormals Facebook – Konzern gehört, existiert eine Plattform, die primär auf den Transport bildbasierter Inhalte setzt.

social media

Die Abbildung von Kindern in sozialen Netzwerken ist in vielerlei Hinsicht problematisch – von dem gelegentlich sogar als das Kindeswohl beeinträchtigenden Formen so genanntem digitalem Narzissmus, in dem Eltern die Bilder ihrer Kinder für ihr eigenes digitales Ansehen einsetzen über die digitale Teilhabe der Öffentlichkeit an ansonsten als privat empfundenen Lebenssituationen bis hin zum Einsatz von Kindern zu Werbezwecken geht dabei die Bandbreite. Dabei ist zudem auch von Bedeutung, dass Kinderbilder, wenn sie aus einem vorgeblich harmlosen Kontext gerissen werden, auch eine weitere Verwendung im Zusammenhang mit Missbrauchsdarstellungen finden können.

In der von mir besprochenen Entscheidung ging es nun darum, dass ein Elternteil von dem anderen vergeblich die Mitwirkung verlangt hatte, der Lebensgefährtin des anderen Elternteils die Verwendung von Bildern der gemeinsamen Kinder zu Werbezwecken auf Instagram zu untersagen.

Im Raume stehen hier die grundrechtlich geschützten Positionen der Kinder sowie die Frage, wie die Eltern hier ihre auf Art. 6 GG fußende Elternverantwortung in Gestalt der Wahrnehmung der gemeinsamen elterlichen Sorge wahrnehmen können und müssen. Hier wurde der Mutter das Sorgerecht für diesen Teilbereich – Wahrnehmung von Rechten gerichtlich und außergerichtlich – übertragen.

Mein Text steht hier auf juris zum download bereit.

neu bei juris: Trennungszeitpunkt und dessen Feststellung

In Scheidungsverfahren spielt der Zeitpunkt der Trennung eine wichtige Rolle: Nicht nur, dass davon die materiellen Scheidungsvoraussetzungen in Bezug auf die Scheiternsvermutung davon abhängen, auch im Güterrecht kann es von herausragender Bedeutung sein, wann die Trennung tatsächlich stattgefunden hat. Dies wird insbesondere bei der Minderung von Vermögenspositionen zwischen Trennung und Zustellung des Scheidungsantrages bedeutsam, wenn es davon abhängt, ob ein Vermögensgegenstand noch vor der Trennung aus dem Vermögen ausgeschieden ist – und damit keine Berücksichtigung erfahren kann – oder aber nach der Trennung und somit die Beweislastregeln zu Lasten des vormaligen Berechtigten ausfallen.

verfahrensrecht

Vor diesem Hintergrund wird die Frage diskutiert, ob ein Gericht einen Trennungszeitpunkt verbindlich im Wege eines Feststellungsantrages feststellen kann – auch mit der Folge, dass hier bei Rechtskraft dann eine Bindungswirkung auch in Bezug auf andere von der Trennung abhängende Rechtsbeziehungen zwischen den Beteiligten entstünde, beispielsweise auch für die Frage, ab wann Trennungsunterhalt geschuldet werden könnte.

Das OLG Frankfurt hat die Feststellungsfähigkeit verneint – und ich habe die dahinter liegende Rechtslage für AZOFAM bei juris dargestellt und die Entscheidung entsprechend eingeordnet.

Mein Text steht hier auf juris zum Download zur Verfügung.

Wer darf das Kind im Abstammungsverfahren vertreten?

In einem Verfahren, bei dem die rechtliche Vaterschaft angefochten wird, stellt sich regelmäßig die Frage, wie und durch wen das Kind im Verfahren vertreten werden kann und darf. Der BGH hat in einem Beschluss vom 24.03.2021 – XII ZB 364/19 = NJW 2021, 1875 seine bisherige Rechtsprechung revidiert. Die hier auftretenden Abgrenzungsfragen bedurften demnach einer Schärfung.

abstammung

Die bisherige Rechtsprechung hatte im Wesentlichen unreflektiert ein Bild von Ehe und Familie transportiert gehabt, das in seinen Grundzügen in den 50er-Jahren verhaftet geblieben war. Diese letztlich paternalistische Vorstellung ist nun, obgleich in der Literatur auch in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht kritisiert, gleichsam en passant vom Bundesgerichtshof kassiert worden. Interessanterweise hat dieser eine Formulierung im Rubrum des Beschlusses des OLG Frankfurt zum Anlass genommen, hier grundsätzliche Ausführungen zu machen, obwohl diese Fragestellung im konkreten Fall – auch wegen einer zwischenzeitlichen Eheschließung der Mutter mit dem rechtlichen Vater – gar nicht mehr entscheidungsrelevant gewesen war.

Zu begrüßen ist ausdrücklich, dass es nicht mehr entscheidend auf die Frage einer gemeinsamen elterlichen Sorge ankommt, ob die Mutter das Kind im Verfahren vertreten kann. Entscheidend ist vielmehr, ob es neben der gemeinsamen Sorge weitere Gründe geben könnte, die den Ausschluss des Vertretungsrechts begründen würden. Dabei bleibt eben als einziges taugliches Abgrenzungsmerkmal die gegenseitige Rücksichtnahmepflicht aus § 1353 BGB übrig. Nur hierin kann eine hinreichende Begründung für die Annahme eines generellen Interessenkonflikts der Mutter und Ehefrau gesehen werden. Der BGH hat darauf hingewiesen, dass die Frage der gesetzlichen Vertretung einen Eingriff in das Elternrecht aus Art. 6 GG darstellen kann. Nach der Wesentlichkeitstheorie des BVerfG bedarf es für einen Eingriff in eine grundrechtlich geschützte Position einer gesetzlichen Grundlage. Eine solche ist im Zusammenhang mit der Vertretungsberechtigung aber gerade nicht zu erkennen.

Ich habe die Rechtslage für AZOFAM dargestellt und die Entscheidung des BGH hierzu eingeordnet. Der Aufsatz ist hier bei juris zu finden.

Verändert Technologie-Einsatz das Kommunikationsverhalten bei Mediation?

Auf den Seiten des Program on Negotiation der Harvard Law School findet sich ein interessanter Artikel, der sich mit der Verhaltensänderung in Verhandlungen durch Informationstechnologie befasst:

Quelle: Does Using Technology in Negotiation Change Our Behavior? – PON – Program on Negotiation at Harvard Law School

technik

Interessanterweise stammen die hier dargestellten Überlegungen aus: “How Technology is Changing Us and the Way We Negotiate” – einem Artikel aus dem Jahre 2017 und damit deutlich vor der Corona-Zeit, die fast alles, was an Verhandlungsformen bei kommunikationsbasierter Konfliktlösung Standard und üblich war, in Frage stellen konnte.

Soweit der Ansatz des Artikels darauf abzielt, dass Handys und Laptops die Aufmerksamkeit stehlen können und von dort von außen eingeholte Informationen während des Verhandlungsprozesses eine höhere Glaubwürdigkeit erhalten könnten als der reale Verhandlungsgegenstand und die Argumentation des Gegenüber – so ist dies den Vor-Corona-Verhältnissen geschuldet.

Weil nun also ein persönliches Treffen und damit Mediationssitzungen am runden Tisch aus Gründen der Gesundheitssorge nahezu unmöglich geworden sind, sind die Erkenntnisse, dass Mediation über Video-Konferenzsysteme nicht die Fortsetzung der Präsenzsitzungen mit anderen Mitteln darstellen kann, wichtig. Denn nur wenn darauf aufgebaut wird, können diese neuen Problemstellungen, die sich aus dem Einsatz von Kommunikationstechniken ergeben, adäquat angegangen und damit auch hinreichend im Verfahren berücksichtigt werden.

Der Fokus daher zunächst auf den Bereiche von Aufmerksamkeit und Empathie – und die gefundenen Ergebnisse sind dabei durchaus beachtlich. Es ist kein Wunder, dass beides nicht in gleicher Form wie in Präsenz zu erwarten ist, Ablenkungen und Störungen sind um ein Vielfaches wahrscheinlicher. Aber es fehlt eben auch der gemeinsam genutzte geschützte Raum, das greifbare und fühlbare Vertrauen, das sich bei einer realen und nicht nur virtuellen Begegnung einstellen kann.

Diese negativen Effekte müssen daher berücksichtigt werden, wenn online verhandelt wird. Das kann durch gezielte Ansprache, Vereinbarung von Regeln im Hinblick auf die Verwendung von Video und Ton, Zusagen und Überprüfbarkeit von Vertraulichkeit hergestellt werden. Dazu gehört auch, gegebenenfalls Kamera-Einstellungen so zu optimieren, dass ein Sich-in-die-Augen-sehen tatsächlich möglich gemacht wird. Die Distanz, die die Technik aufbaut, vermag Empathie zu hindern: Dies muss dann gezielt unterstützend hervorgeholt werden.

Wenn nun – aus der historischen Sicht begründet – die Kommunikation und damit die Konfliktlösung verbessert werden kann, wenn technische Hilfsmittel aus den Verhandlungen verbannt werden, so gilt das für eine Mediation unter Zuhilfenahme von Kommunikationstechnik nur insoweit, als dass ein Modus vivendi gefunden werden kann und muss, um diesen Störungen proaktiv entgegenzutreten.

Damit dies gelingt, bedarf es einer erhöhten Aufmerksamkeit und Sensibilität des Mediators für das, was bei den Medianten gerade geschieht – ob und wie hier tatsächlich auf den aktuellen Punkt fokussiert wird und ob entsprechende Absprachen zur Vertraulichkeit, Absgeschlossenheit, Diskretion und der Abwesenheit weiterer, für das Verfahren unnötiger IT-Geräte eingehalten wird. Dies ist im Vorgespräch logischerweise zu thematisieren und auch festzuhalten.

Ein solches vereinbartes Vorgehen hat letztlich auch den Vorteil, dass die Versuchungen, nebenbei doch in Dateien oder im Netz zu recherchieren, sich über Mobiltelefone Zurufe von der Seitenlinie zu holen oder die Vertraulichkeit zu unterlaufen, thematisiert werden. Dabei können dann auch etwaige Bedürfnisse, die hinter einem solchen andenkbaren Verhalten stehen, dann auch ausdiskutiert und quasi prä-mediiert werden, bevor das eigentliche Thema behandelt wird. Dadurch kann die Aufmerksamkeit, Empathie und auch das Vertrauen in die Mediation auch unter Zuhilfenahme von Informationstechnik insgesamt gestärkt werden.

Die Zusammenarbeit von Polizei und Steuerbehörden

Grundsätzlich gehen Polizei und Steuerbehörden mit Daten von Menschen um. Und dabei sind die Begehrlichkeiten auf beiden Seiten offensichtlich. Die Polizei würde sich diese Steuerdaten gerne für ihre Verfahren nutzbar machen, die Steuerbehörden würden ihrerseits gerne auf polizeiliche Erkenntnisse zurückgreifen können. Wenn man aber die vermeintlichen Vorteile näher betrachtet, wird ein Dilemma ersichtlich: Denn ein Großteil der interessanten Daten sind streng vor zweckändernder Weiterverarbeitung geschützt.

Polizei und Finanzamt

Wichtig ist daher, wie das Steuergeheimnis einzuordnen ist und warum und wie weit der Schutz dieses Geheimnisses reicht. Gerade für die Verfolgung von Geldwäsche stellt die Regelung des § 31b AO einen elementaren Bestandteil dar.

Weil die Möglichkeiten einerseits, die engen Grenzen des Datenaustausches andererseits limitierende Faktoren darstellen, sollten daher gemeinsame Fortbildungsmaßnahmen von Polizei und Finanzverwaltung nicht nur das gegenseitige Verständnis fördern. Der Austausch von wechselseitigem Spezialwissen fördert letztlich auch das gegenseitige Verständnis für die jeweilige Aufgabe.

Es geht nicht nur um einen rechtsstaatlichen Umgang mit Finanzkriminalität, sondern darüber hinaus auch um die gebotene Herstellung von Steuergerechtigkeit.

Ich habe mich zusammen mit KK Felix Hackner mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Unser Text hierzu ist in der neuen Kriminalistik, Ausgabe 1/2022 erschienen.

Mumbai Police unterhält Beratungszentren für Paare

Bereits in den Jahren zwischen 2012 und 2015 hatte The Mumbai Police Hilfe-und Unterstützungszentren für Paare in Konfliktsitutationen betrieben. 2021 wurde diese Idee wiederbelebt, wie die Hindustan Times zu berichten weiß:

Quelle: Mumbai Police to restart counselling centres for couples at all police stations – Hindustan Times

Mumbai ist die größte Stadt auf dem indischen Subkontinent, die Metropolregion hat ca. 30 Mio Einwohner:innen.

stop häusliche gewalt

Diese „counseling centres“ sind funktional bei den Polikzeistationen angegliedert und über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Sie haben die Aufgabe, „to resolve minor matrimonial disputes“ – also bei kleineren Auseinandersetzungen hilfreich zur Seite zu stehen.

Dies ist durchaus begrüßenswert und die Initiative verdient eine größere Beachtung. Die Polizei wird hier nicht nur in ihrer Funktion, Gefahren von der öffentlichen Sicherheit und Ordnung abzuwehren, tätig, sondern dient in erster Linie als Scharnier für Konfliktlösungsunterstützung im sozialen Nahbereich. Entscheidend ist hierbei, dass die Polizei als Anlaufstelle verstanden wird, wenn es zu Problemen kommt. Dahinter steckt die Idee kurzer Wege. Bei Konflikten im sozialen Nahbereich kann über einen allseits bekannten Kontakt schnell für Entspannung gesorgt werden.

Die Idee könnte sich auch auf deutsche Verhältnisse übertragen lassen: Bereits im Vorfeld des Entstehens häuslicher Gewaltsitutationen (wenn also im polizeirechtlichen Sinne noch keine konkrete Gefahr für ein polizeiliches Schutzgut besteht) müssten Hilfesuchende nicht abgewiesen oder weiterverwiesen werden, sondern bekämen vor Ort ein professionelles Hilfeangebot. Dabei wären die Polizeibeamtinnen allenfalls als Wegweiser tätig: Eine professionelle Unterstützung müsste von Fachleuten, die in Ehe- und Familienkonflikten hauptsächlich tätig sind, erfolgen können. Aber auch, wenn es zur Gewaltanwendung kommt oder schon gekommen ist, wäre ein solches Angebot ein wichtiges Unterstützungsinstrument neben den polizeirechtlichen Instrumenten wie die Wohnungsverweisung oder der strafrechtlichen Aufarbeitung.

Wichtig ist an dieser Stelle, dass die Angebote niederschwellig sind und eine zunächst funktionale Zuständigkeit bei der Stelle besteht, die in der Bevölkerung dafür steht, für die persönliche Sicherheit zuständig und verantwortlich zu sein.

Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass Menschen, die sich an ein solches Angebot wenden, damit rechnen, hier dann ein strafrechtliches Verfahren einzuleiten und deswegen von einer Inanspruchnahme absehen. Hier kommt das Legalitätsprinzip an seine Grenzen, weil es der Hilfestellung letztendlich im Weg stehen könnte. (Der Verweis auf Antragsdelikte oder Zeugnisverweigerungsrechte ist jeweils nur eine Krücke, Betroffene werden sich an feinsinnigen juristischen Ausführungen hierzu wenig erfreuen dürfen)

Entscheidend dürfte daher sein, wie die Gewährleistung von öffentlicher Sicherheit und Ordnung bei der Gefährdung von Individualrechtsgütern im höchstpersönlichen und privaten Lebensumfeld optimal gewährleistet werden kann. Die Initiative aus Indien ist hierfür ein guter Anfang.

Rollen – Rollenverständnisse – Mediation

Im familiären Kontext besteht in der Regel ein hohes Maß an Konfliktpotential – und es ist auch ein Teil der Kunst des familiären Zusammenlebens, wie mit diesem Potential umgegangen wird und wie letztlich daraus erwachsende Konflikte einer Lösung zugeführt werden können.

Rollenverständnis

Einen nicht unerheblichen Anteil hat sowohl die Rolle, die jemand als Beteiligte:r in der Familie einnimmt, die ihr oder ihm zugedacht wird oder zufällt, in die man sich begibt oder die man sich einfach nimmt. Die Ursachen und Hintergründe sind jeweils vielfältig und unterschiedlich: sie können in der Erziehung oder im sozialen Umfeld begründet liegen, in positiven wie negativen Vorbildern. Auch Bildung, kulturelle Hintergründe, Erwartungen, denen man ausgesetzt ist oder die man an sich selbst stellt, können eine Rolle spielen. Hinzu kommen Wünsche und Idealvorstellungen und tatsächlich oder vermeintliche Unveränderbarkeiten von Realitäten.

Das alles ist wichtig, wenn Konfliktlagen in innerfamiliärem Kontext angegangen werden sollen: Die Menschen müssen genau dort abgeholt werden, wo sie sich konkret befinden und sie müssen befähigt werden, von diesem Punkt aus ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu artikulieren. Gerade wenn der Konflikt auch auf einer unterschiedlichen Vorstellung von der eigenen und einer zugedachten Rolle beruht, dann müssen diese Positionen geklärt werden und die Bedürfnisse hieraus abgeleitet und kommuniziert werden können. Dazu ist es unerlässlich, dass die Medianten ihrerseits die Möglichkeit der Reflexion und Selbstreflexion haben, um dann überhaupt ein Verständnis für die tiefere Ursache des Konfliktes zu entwickeln.

Dabei geht es nicht darum, tradierte und überkommene Vorstellungen von Vater-Mutter-Kind zu zementieren oder von vorne herein zu verdammen. Es geht darum, dass die Rollen und das Rollenverständnis hinterfragt werden können und hieraus dann Handlungsanweisungen abgeleitet werden können.

Das gilt auch im Trennungs- und Scheidungskonflikt. Selbst dort, wenn es also nicht mehr darum geht, eine Konfliktlösung im Interesse einer Aufrechterhaltung des Zusammenlebens herbeizuführen, geht es auch darum, zum Einen mit der gemeinsamen Vergangenheit abschließen zu können. Auf der anderen Seite bleiben, insbesondere wenn gemeinsame Kinder da sind, auch darüber hinaus gehende familiäre Verbindungen über Jahre bestehen, die nicht zuletzt im Interesse dieser Kinder ein gutes Miteinander verlangen können.

Letztlich ist aber auch eine innerfamiliäre Mediation, die auch das jeweilige konkrete Rollenverständnis berücksichtigt und das darin liegende Konfliktpotential im Rahmen der Konfliktklärung auch bearbeitet, ein Hilfsmittel, wenn es darum geht, Gewalt in der Familie, Gewalt gegen Frauen und Kinder aktiv und schon frühzeitig angehen zu können.

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